Review: Two Gallants The Scenery Of Farewell

An die 200 Konzerte sollen die Two Gallants 2006 auf der Tour für ihr zweites Album »What The Toll Tells« gespielt haben. Shows, bei denen es für gewöhnlich lärmig-laut und aggressiv zur Sache ging. Doch sobald Sänger und Gitarrist Adam Stephens sowie Schlagzeuger Tyson Vogel – die beiden kennen sich von klein auf und spielen seit 2002 als Two Gallants – die Bühne mit pfeifenden Ohren verlassen hatten, suchten die beiden nach einem Kontrastprogramm. Und so entstanden in den freien Minuten des Tour-Alltags immer mehr Akustiknummern, die jedoch nicht in ihr nächstes Album eingegliedert werden sollten, sondern jetzt als eigenständige EP veröffentlicht werden. »The Scenery Of Farewell« ist dabei mehr geworden als nur ein Appetithäppchen für das dritte Langspiel-Werk im Herbst. Das liegt zum einen schon an der Überlänge, denn während andere Bands mit 30 Minuten ein ganzes Album bestreiten, brauchen die Two Gallants schon diesen Umfang, um fünf Songs unterzubringen.

    Außerdem verbergen sich dahinter schlichtweg großartige Indie-Folk-Balladen, wie sie so nur aus dem Hause Saddle Creek kommen können. Ein Schmachtfetzen wie »Linger On« benötigt dabei die vollen 7 Minuten 57, um den großen Gefühlen, wie auch den großen Momenten der Einsamkeit beizukommen, die das Leben »On the Road« so mit sich bringt. Es ist das Urmotiv der amerikanischen Folkmusik, das Tourleben als Cowboytum, der streunende »Lonesome Hobo«,  wie ihn Woody Guthrie, dann Bob Dylan verkörperten. Insbesondere von letzterem ist die Band stark beeinflusst, wie sie bisher immer wieder betont hat. Anklänge zu Dylan finden sich auf »The Scenery Of Farewell« viele, vor allem zu dessen Album »John Wesley Harding« von 1967, was auch insofern passt, weil sich Dylan damit nach einer von Rock-Musik geprägten Phase wieder auf die Folkmusik zurück besann, so wie jetzt auch die Two Gallants den Schalter von laut nach leise umlegten.
 
    Auch mit großen Worten und Bildern spart das Duo aus San Francisco, das sich nach einer Shortstory aus James Joyce »Dubliners« benannt hat, nicht. Das zeigen schon die ersten Textzeilen: »Baby, let your light shine on me / When I'm lost on the road / You know you could set me free / You could ease my load!« singt Stephens da, die Stimme immer kurz vorm Umkippen, so wie man das auch von seinem Label-Kollegen und Bright Eyes-Chef Conor Oberst kennt. Es ist das tiefe Pathos vollkommener Ehrlichkeit und Offenherzigkeit, das etwa in »All Your Faithless Loyalties« hemmungslos aus Stephens herausbricht. Wenn er nach einer Minute Vorspiel endlich ansetzt, um der Geliebten das »last goodbye« zu verkünden (»Let this be our last goodbye / No need to wonder why / Never had the time to try / Don't blame me«), dann bebt seine Stimme derart vor lauter Verzweiflung, als würde sich das Abschiedsdrama jetzt, just in diesem Moment abspielen.
 
    Die EP wurde von Alex Newport produziert, der sich nach dem Ende seiner Band Fudge Tunnel als Produzent für Samiam, Ikara Colt, At The Drive-In oder den Melvins einen Namen gemacht hat. Digitales kommt ihm nicht ins Studio, Newport verwendet noch 2-Zoll-Magnetband. Nicht zuletzt ist die analoge Aufnahme Grund für die Unmittelbarkeit der Songs: kein Rauschen wird unterdrückt, was die EP mehr nach einem Demo klingen lässt und sie letztlich umso authentischer, wärmer und natürlicher macht. So minimalistisch die Aufnahmetechnik und der gesamte Ansatz sind, bleibt doch genügend Platz für weitere Spuren. Aber auch Klavier, Cello, Geigen, Kontrabass und natürlich die obligatorische Western-Mundharmonika üben sich in Zurückhaltung. Für das dritte Album im Herbst müssen sie wieder den Verstärkern Platz machen.

LABEL: Saddle Creek

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 01.06.2007

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