Review: Turbongero Party Animals

»All my friends are dead/all my friends are dead/they got kicked in the head/All my friends are dead«. Das sind die ersten Zeilen auf dem Openertrack von »Party Animals«, nachdem ein gut zweiminütiges Bombast-Intro irgendwo zwischen Daft Punk-Gitarrensoli und -Vocoder-Stimme (die behauptet, Stephen Hawking zu sein), »We will rock you«-Queen, Oasis-Hubschraubern und Saxon-Stadiongemurmel den Weg bereitet hat. Und – auch ohne in die Überinterpretationsfalle zu tappen – natürlich denke ich sofort an nichts und niemand anderen als Mr. Rocco Clein, auch ein guter Freund der Band und Autor der SPEX-Titelgeschichte zu ihrem Comeback-Album »Scandinavian Leather« in 2002.
    Was er heute hätte hören können, ist nichts weniger als Turbonegro in Hochform. Ohne Scheiß und doppelten Boden. Alleine dieser erste Song ist ein reinrassiger Punkrocker vor dem Herren. Die Gitarren endlich wieder dreckig, der Song nach vorne, der Background wütend, ruppig und schlampig. Danach hangeln sich Turbonegro durch die halbe Rockgeschichte und beweisen, wie man a) über die Textebene und b) durch das Verfeinern von über die Jahre hinweg aufgesogenen Einflüssen am Ende ein großes, dreckiges Ganzes entstehen lässt. Hier US-Punk, dort die ollen Stones, »Paradise City« verwandelt sich in die »City Of Satan«, der Stadionrock strahlt überall durch, ein bisschen frühe Suicidal Tendencies, ein wenig L.A.-Glam, etwas Ramones, Circle Jerks, dann wieder britischer Punkrock – und am Ende stören selbst die wenigen orchestralen Momente absoluten Größenwahns keine Sekunde, vielleicht weil gleich darauf wieder ein Monster-Riff um die Ecke kommt. Zum Beispiel im gigantischen »Wasted Again«, einer wunderbar stumpfen Hymne, oder dem grandiosen Stones-Roller »High On Crime«.
    Co-produziert wurde das Album übrigens von Steve McDonald, einst Bassist von Redd Kross. Er hat einen guten Job gemacht und den Turbosound zurück in Richtung frühe Negro geschickt. Der Authentizität und eben nicht bloß effektgeladenen Nähe zu den Wurzeln der zitierten Phasen des »motherfuckin rock and roll« steht das jedenfalls ganz prima zu Gesicht. Um nicht zu sagen: die beste Turbonegro-Platte dieses Jahrtausends, mindestens. Eine ordentliche Abfahrt eben – für alle, die es wollen.
    Bonus: Das Info zur Platte wartet mit zwei zu Recht gefetteten Statements auf: »Most rock'n'roll bands start as a riot but end up as a parody. We started as a parody but ended up as a revolution«, behauptet Happy Tom da ordentlich großkotzig. Er kann es sich erlauben. Das weiß auch Euroboy, wenn er sagt: »We got 11 hits, all of them beautifully negative switchblade serenades.« Der Hidden Track kann ein Lied davon »sprechen«.

LABEL: Burning Heart Records

VERTRIEB: SPV

VÖ: 09.05.2005

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