Thundercat The Beyond / Where The Giants Roam

Was den Bass betrifft: Im Stevie-Wonder-Modus schwebt Thundercat Stephen Bruner durch neue Traumwandelwelten.

The Beyond / Where The Giants Roam beginnt mit dem Künstler im Augenblick seines Todes. »I can’t feel my face«, merkt Thundercat Stephen Bruner gerade noch, dann schlussfolgert er: »This must be the end«. Für die neue, ohne großes Brimborium veröffentlichte EP des Bassisten, Sängers und Komponisten ist so ein Auftakt ebenso konsequent wie überraschend. Einerseits ist der Tod seit jeher Leib-und-Magen-Thema des Brainfeeder-Labels um Flying Lotus und Bruner. Andererseits hat die Clique nie so lebendig gewirkt wie im Sommer 2015.

Mehrere Brainfeeder-Acts gehörten zu den treibenden Kräften hinter Kendrick Lamars To Pimp A Butterfly. Mit Kamasi Washingtons Dreifachalbum The Epic ist es dem Label außerdem im Alleingang gelungen, Jazz zum Gesprächsthema in der Jazz-fernen Musikpresse zu machen, SPEX eingeschlossen. Das ist gut und schön, hat aber wenig zu tun mit The Beyond / Where The Giants Room, dem unjazzigsten und überhaupt unscheinbarsten Projekt, das Bruner seit seinem Debütalbum The Golden Age Of Apocalypse (2011) verwirklicht hat.

Es gibt Cameos von Washington und Herbie Hancock auf The Beyond, aber man muss sie schon erwähnen, damit sie den Leuten auffallen. Bruners Anliegen sind introspektiver Natur. Er betrachtet den Tod als Chance zum Neustart, als »time to shed some kind«, und schwebt auf glitzerndem Space-Funk durch die Zwischenräume eines Raum-Zeit-Kontinuums, das nur für seine Musik zu existieren scheint. Die Welt ist schwammig und verschwommen in Bruners Stoner-Universum, aber sie ist auch ein bisschen ulkig. Auf jeden Wiedergeburts- und Mythologie-Verweis kommt mindestens eine Anspielung, mit der Thundercat an die Ursprünge seines Künstlernamens erinnert.

Was den Bass betrifft, ist The Beyond ein vergleichsweise zahmes Thundercat-Projekt. Es gibt kleine Gemeinheiten und ein tendenziell angeberisches Outro in »Lone Wolf And Cub«, aber keinen Stoff für kommende YouTube-Tutorials. Im Fokus steht Bruner, der Songwriter, mit dem herausragenden »Them Changes« beweist er seine Funktionsfähigkeit als Stevie Wonder im Traumwandelmodus. Auch das ist überraschend und letztlich nur konsequent. Wer bei No Curfew und Suicidal Tendencies gespielt hat, wird immer darauf aus sein, seine Palette zu erweitern.

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