Review: Theory Hazit Extra Credit

Vor acht, neun Jahren war Hiphop für den gemeinen Rucksackträger noch OK: Rapmusik hatte zu klingen wie Gang Starr, ein MC seine Skills in Open-Mic-Battles geschult zu haben und in seinen Texten eimerweise Respekt an die Helden der alten Schule zu verteilen. Auch das aus Köln geführte Label Superrappin hatte sich einem traditionalistischen, manchmal dogmatischen Rap-Ansatz verschrieben, der zu jener Zeit gerne mit Attributen wie »Underground« und »Independent« behaftet wurde und vor allem bei einer deutschen, gutbürgerlichen Klientel auf Zustimmung stieß. Inzwischen haben sich die Fronten ein wenig verschoben, soll heißen: auch hierzulande hat man es heutzutage mit Goldkettchenrap einfacher als mit geschmäcklerischem True-School-BoomBap. Hätte Theory Hazit vor zehn Jahren noch von einer Art Automatismus profitiert, so muss er sich heute mit seinem Debüt auf dem seit Jahren untätigen Superrappin-Label erst eine gewisse Daseinsberechtigung erarbeiten. Was ihm allerdings nicht sonderlich schwer fallen dürfte, denn Mr. Hazit steht für den Typus des emotionalen Lyrikers, der sein Herz auf der Zunge trägt und allein durch seine Offenheit reichlich Sympathiepunkte einfährt. In Songs wie »Mrs. Hazit« oder »Hello Kiddeez« reflektiert er die Gedankenwelt eines jungen Familienvaters, in dessen Leben einfach nichts so richtig rund laufen will, und diese Ehrlichkeit und Selbstironie steht dem Mann aus Cincinatti, Ohio, exzellent zu Gesicht. Seine Kane- und Rakim-Hommage »After School Special« zeigt unmissverständlich den Referenzrahmen auf, in dem sich Hazit sieht, fährt dabei aber herrlich unprätentiös und ohne allzu retrospektive Geste ein. Obwohl sieben verschiedene Produzenten an dem Album beteiligt waren, klingt es erstaunlich kohärent, was daran liegen könnte, dass fast alle Stücke problemlos in die von Gruppen wie Little Brother aufgemachte Neo-NewSchool-Schublade einzuordnen sind; wobei dieser Einfluss in Stücken wie »I Just Wanna Come« oder der Quasimoto-Hommage »Just Another Day« am deutlichsten wird, die mit ihren gechoppten Streichersamples und den typischen Ohrfeigen-Snares wie gelungene Abziehbilder von 9th-Wonder-Beats klingen. Klar, perfekt ist die Platte als typisches Indie-Werk nicht: Mal ist es eine käsige Hook, mal eine gewisse Langweile, die sich angesichts der Harmlosigkeit der vielen Gastrapper einstellt, das Gesamtbild wird dadurch minimal getrübt. Unterm Strich aber ist »Extra Credit« ein schlüssiges, starkes Debütalbum eines versierten Rappers, der in einer Hiphop-Tradition steht, die in den letzten Jahren zwar in den Hintergrund gerückt ist, aber keinesfalls vollständig in Vergessenheit geraten sollte.

LABEL: Superrappin

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 22.06.2007

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