Review: Thee Oh Sees Thee Hounds Of Foggy Notion / The Master’s Bedroom Is Worth Spending A Night In

Ohne John Dwyer wäre der Rock-Underground von San Franciscos Bay Area um einige Kapitel ärmer. Seine zahlreichen Projekte tragen Namen wie Pink And Brown, Coachwhips, Yikes oder Dig That Body Up It’s Alive und zeigen den jungen Kalifornier in vielfältiger musikalischer Façon: als ultraharten Punk-Rowdy, als weirden Freak-Folker oder als überdrehten Noise-Prediger. Die einzige Gemeinsamkeit zwischen seinen Bands liegt in dem Grundsatz, keine digitale Einflussnahme auf den Sound zuzulassen. Dwyer liebt die ehrliche Lo-Fi-Akustik, was auch zu einem guten Teil den Charme der beiden neuen Veröffentlichungen seiner Hauptband Thee Oh Sees ausmacht.

    »Thee Hounds Of Foggy Notion«, eine gefilmte Live-Performance, die Thee Oh Sees mit dem Regisseur Brian Lee Hughes inszenierten, zeigt das Quartett in verwilderten Waldstücken, auf brachliegenden Fabrikgeländen und in ähnlich verwahrlosten Kulissen, die dem provisorisch anmutenden Band-Sound eine visuelle Entsprechung geben. Mit nichts als ihrem spärlichen Proberaum-Equipment skizzieren Thee Oh Sees sechzehn zarte Folk-Songs, deren schönstes Element die infektiösen Melodien von Dwyers Gesangspartnerin Brigid Dawson sind. Die wolkenweiche Stimme dieser charismatischen Sängerin aufzurauen, will auch der schepprigsten Aufnahmetechnik partout nicht gelingen. Zwischen den Songs treiben die Protagonisten allerhand Späße, was diese gute Stunde aus dem Leben der Thee Oh Sees zu einer kurzweiligen, weil grundehrlichen Sache macht. Auf der beiliegenden CD kann man alle Stücke ohne Bild nachhören.

TheeOhSees    Auf »The Master’s Bedroom Is Worth Spending A Night In«, dem aktuellen, von Dave Sitek (TV On The Radio) produzierten Studioalbum geht es dagegen ungleich härter zu Sache. In fünfzehn kurz gehaltenen Stücken, wirft Dwyer staubige Surf-Gitarren, knarzige Mono-Vocals und blechernes Schlagzeug ineinander, überzieht sie mit nebligen Reverb-Effekten und bürstet das Ganze mit seiner herrlich trashigen Soundästhetik zuguterletzt zu grobem, druckvollem Garagen-Rock auf. Damit pflegt er eine Tradition der Psychedelik, wie sie von amerikanischen Westküsten-Bands in den späten sechziger Jahren erschaffen wurde. The Seeds, Grateful Dead oder auch Jefferson Airplane heißen Dwyers große Referenzen. Derartiges Nostalgie- und Reminiszenzgetue ist sicher nicht das innovativste Konzept für eine Rockplatte in den ausklingenden Nullerjahren. Weil Dwyer es aber auf eine derart sympathische Weise macht und mit jeder Note tiefe innere Verbundenheit offenbart, geht das auf jeden Fall in Ordnung.

LABEL: Tomlab

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 15.08.2008

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