Immer noch irgendwie geil: sich auf spröden Postpunk beziehen. Schräg angeschlagene Gitarre, nervöses Herumgezicke und so. Die drei in Oxford ansässigen Herren von The Young Knives – super Bandname, oder? – haben die im Revival-Zirkus handelsüblichen schmalen Gürtel, engen Hosen und spitzen Schuhe gegen ein nerdmäßiges und wohl so ein bisschen witzig gemeintes Buchhalter-Outfit eingetauscht. Komplett mit kotzbraunem oder olivgrünem Opa-Pullunder, Hornbrille und Tweed-Jackett. Nicht weiter schlimm, noch dazu nennt sich der Bassist The House Of Lords, was ja gar nicht mal so unlustig ist. Man merkt, den Young Knives liegt die Zurschaustellung fein gedrechselter Artschool-Sozialisation fern, lieber geben sie die rauflustigen wie charmanten Lümmel von nebenan, was natürlich gerne ebenso als gut durchkalkuliertes Konzept verstanden werden kann.

    Ihre Lektion in Musikgeschichte haben sie jedenfalls einwandfrei gelernt, Neues haben auch sie dabei nicht entdecken können. Prominent nachhörbar wären da Wire – vor allem Sänger Henry Dartnalls Stimme erinnert häufig an Colin Newman – und einmal mehr die alte Tante Gang Of Four, deren Andy Gill »Voices Of Animals And Men« produziert hat. Anders als die Vorbilder legen die Young Knives weniger Bierernst und Politik, dafür viel mehr Humor in ihre Texte. Auch auf musikalischer Ebene werden der beißenden Kühle von Postpunk große Melodien und Songwriting mit Kurs auf Pop entgegengesetzt und so einige Hits aus dem Anzug geschüttelt, die den Tanzschuppen zum expressiven Schunkeln bringen sollten. Zwischendrin massig total okaye Stücke, ein bis zwei Halbausfälle, ein wenig angejazzte Sperrigkeit, fertig ist ein sehr feines, vollkommen unaufregendes Album. Ein sicheres Tänzchen auf leicht abgekühlten Kohlen.

LABEL: Inkubator

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 26.01.2007