Review: The Ting Tings We Started Nothing

Johnny Marr? Katie White hatte keinen Schimmer, wer das ist, bis sie vor vier Jahren den Musiker Jules de Martino kennenlernte. Der ehemalige Sänger diverser erfolgloser Indie Rock-Acts und das aufstrebende Pop-Sternchen, das es mit ihrer Girlgroup nicht weiter als ins Vorprogramm von Atomic Kitten geschafft hat, wurden ein Team. Zunächst versuchten sie sich als Trio mit einem DJ als drittem Bandmitglied. Doch Dear Eskimo, so hieß die Band damals, scheiterte kläglich. Zum Duo reduziert, als eine Art ›Anti White Stripes‹ mit ihm am Schlagzeug und ihr am Mikro, ist die Sache nun ins Rollen geraten.

    Das Debüt der Ting Tings ist ein aufregendes Tête-à-tête in bester Boy-/Girl-Tradition: zwischen ›Charts‹ und ›Arts‹, zwischen Pop-Zuckerguss und Schrammel-Indie, Timbaland’schen Hiphop-Beats und dem trockenen Drumschlag des New Wave. In »That’s Not My Name« oder »Fruit Machine« schäkern White und de Martino erst lasziv durch die Strophe, um im Refrain so doll zu bouncen, dass daraus ein astreiner Hook wird – und doch hört man stets ›nur‹ Indie Rock-Songs.

 

MP3: The Ting Tings – Great DJ

    »Great DJ« zieht ihre Verve aus Synthie-Effekten und Zick-Zack-Rhythmen, »We Walk« gewinnt durch das Zusammenspiel von funkigem Gitarrengroove und verträumtem Pianospiel an emotionaler Tiefe. Ruhig können The Ting Tings auch: »Be The One « könnte eine frühe Cardigans-Ballade sein, »Traffic Light « klingt nach verspieltem Jazz-Singalong mit geschmeidigem Pop-Appeal. Apropos Pop: »Shut Up And Let Me Go« ist mit seinem geloopten Gitarrenriff und den bitchy Lyrics so eindringlich, dass sich iTunes das Lied zu Reklamezwecken gesichert hat.

    Dass man bei The Ting Tings unweigerlich an CBGB und Blondie denkt, liegt zum einen an der Ähnlichkeit von Sängerin Katie White mit Debbie Harry – optisch wie stimmlich, und sicherlich am New York Punk-Einschlag, wie man ihn im Titelstück hören kann. Andererseits ist die Assoziation mit der Herkunft des Albums verbunden: »We Started Nothing« entstand in einer stillgelegten Mühle am Rande Manchesters, in der sich die örtliche Künstlerszene nach dem Vorbild von Andy Warhols Factory eingerichtet hat. Auf der Etage der Ting Tings soll sich Johnny Marr einen Proberaum angemietet haben, nebenan versuchen sich bildende Künstler an ›Weird art installation stuff‹. Headhunter stehen sich momentan in »The Mill« auf Vernissagen und Guerilla Gigs die Füße platt, um ja von diesem Hype ein Stück abzubekommen. Dennoch: The Ting Tings nach Adele und Duffy gleich als »Sound of 2008« auszurufen, wie das die BBC getan hat – das geht dann doch zu weit!

LABEL: Red Ink

VERTRIEB: Sony BMG

VÖ: 30.05.2008

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