Review: The Roots Game Theory

Rau, ungezügelt, politisch durchtränkt und erneut auf lauten Breaks unterwegs – die Roots melden sich mit ihrem sechsten Studioalbum zurück. Dass der Titel eher dem Nash Theorem als einer kritisch gearteten Rezeption des Spiels namens HipHop geschuldet ist, unterstreicht erneut die immanente »Konzeptartigkeit« auch dieses Werks, welches konsequent in einer Reihe mit »Phrenology« oder »Tipping Point« zu sehen ist. Der dazugehörige rote Faden ist eine nicht zu explizite, aber doch mehr als die Oberfläche tangierende Kritik an der aktuellen politischen und sozialen Situation in den US of A. Und tatsächlich flowt Black Thought persönlich wie lange nicht mehr auf dunklen und ergreifenden Instrumentals über die Kernprobleme aka die Ghettos dieser Welt, den großen Bruder und die Armut – alles immer wieder mit Bezug auf Südphiladelphia, den Ursprung.

    Das stark tragende Hauptelement der Tracks stellt nach wie vor ?uestloves markanter Drumsound, der keinen wirklichen Ausfall zulässt. Die oft im Zusammenhang mit diesem Album erwähnte Nähe zum Sound der Bomb Squad-Ära ist eher in einer ähnlichen Haltung zu suchen, mag aber auch dem Opener »False Media« geschuldet sein, der mit einer Interpolation von Public Enemys »Don’t Believe The Hype« deutlich macht, dass sich in den letzten 18 Jahren nichts verändert hat. Den Wechsel der Band zu Def Jam jetzt mit einem Auftrag zu verknüpfen, die klassischen Zeiten dieses Labels zu reanimieren, mag da ein wenig weit hergeholt sein. Immerhin wird hier auch Radiohead gesamplet, Pharcyde zitiert und alles wie immer verdammt funky gehalten – was nicht nur Kreise schließt, sondern auch erstaunlich gut funktioniert. Anfang und Ende gestalten sich auch als Hommage an James Yancey, besser bekannt als J. Dilla, der wie kein anderer Einfluss auf den Sound der Roots hatte.

    Die Rundungen, das gleichzeitig Verquere und die doch konstante Stringenz sorgen für eines der besten Rootsalben, und zumindest die erste Hälfte lässt keine Ruhe aufkommen, wirkt wie ein unbequemer Stachel im Fleische der Opportunisten, Schönredner und Machthungrigen. Darüber hinaus bringt Black Thought es auf dem sehr starken Titelstück auf den Punkt: »If you bout hip hop then, you gots to love it, if not, then f**k it«. Die »Winwinsituation« ist zumindest zwischen Gruppe und Hörer erreicht worden. Game not over (yet)!

LABEL: Def Jam

VERTRIEB: Universal

VÖ: 01.09.2006

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