Review: The Rascals Rascalize

Plötzlich war das Feuer aus, die Little Flames waren Geschichte. Nach drei lodernden Singles, einem fertigen Album auf Halde, kurz vor dem Durchbruch fiel die Band aus Liverpool im letzten Jahr auseinander. Während die talentierte Eva Peterson, Gesicht und Stimme der Band, nunmehr allzu bemühte Folksongs aufnimmt, firmiert ihre ehemalige Rhythmustruppe unter dem Namen The Rascals.

    Lässig schlendern Miles Kane, Joe Edwards und Greg Mighall in Rollkragen-Pulli und Dufflecoat im Schatten viktorianischer Altbauten herbstliche Alleen entlang. Viel englischer, noch Beatleesker als die schwarz-weiß gehaltene Coverfotografie des Albums »Rascalize« hätten sich wohl nur die Fab Four selbst in Szene setzten können. Doch ist der effektheischende Britrock des aufstrebende Trios stärker an psychedelischen Generationsgenossen der berühmtesten Söhne Liverpools orientiert. Dominant sind vor allem die Hall-Effekte auf den Gitarren, die sie derart entrückt klingen lassen, als gehe von ihnen ein Sog ins Jenseits aus.

    Kane, zweite Hälfte der nicht minder nostalgieseligen The Last Shadow Puppets, macht das geschickt, wenn er durch die Saiten Geister aufheulen und winseln lässt, sie dann jedoch schnell wieder verscheucht um ein tosendes Surf-Solo zu spielen (»Bond Girl«). Edwards’ bedrohlich grummelnder Bass belauert dabei meist den kraftaufwendig getrommelten Rhythmus. In den Ruhepausen wird bloß erneut zum Sprung angesetzt. »People Watching« und »I’d Be Lying To You« sind dann auch geglückte Hypnoseversuche, die den Hörer erhitzt und mit Fieberschweiß auf der Stirn zurücklassen. Doch ähnlich wie die befreundeten The Coral, die zu Beginn ihrer Karriere nicht wohin wussten mit all den Ideen und eine fesselnde, doch reizüberflutete erste LP vorlegten, fehlt es vielen Songs auf »Rascalize« noch an Struktur. Gelingt es künftig, den ziellos umher mäandernden und verwehten Melodiefetzen die Richtung zu weisen, ist von einem starken Zweitwerk auszugehen.

LABEL: Deltasonic / Cooperative Music

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 28.08.2008

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