Im dritten Anlauf machen die New Pornographers endlich alles richtig. Der Überfluss an Ideen klingt weder so überkomprimiert wie auf der ersten Platte noch so ziellos aneinander gereiht wie bei »Electric Version«. Sie klingen endgültig wie ein Kollektiv von Lieblingsmusikern aus Dekaden, die mit der Ziffer sechs oder sieben anfangen. Wie so oft, wenn einfach außerordentlich gut geschriebene Songs aufeinander treffen, haben sie sich schon nahtlos in dein Leben eingefügt, bevor du überhaupt erkennst, wie gut sie sind. Wo sonst – wenn die klassischen Ausdrucksformen von Rockmusik recht ungebrochen weitergeführt werden – gute Ideen und gute Umsetzungen wenn überhaupt da, dann nicht zugleich an derselben Stelle sind, warten sie hier an jeder Ecke auf dich.
    Wie Klavier und Schlagzeug den Rhythmus bei »Use It« immer wieder in sich verschieben und doch gerade weiter nach vorne treiben … Wie »The Bleeding Heart Show« sich aus elegischem Balladentum in einen völlig manischen, afrikanisch geprägten Chorteil steigert, über dem die Stimme von Neko Case in aller Erhabenheit thront … Wie Dan Bejar nach der anstrengenden letzten Destroyer hier mit »Jackie, Dressed In Cobra« hier einen seiner direktesten Rocksongs beisteuert, ohne die sich windende Brüchigkeit seines Songwritings aufzugeben … Wie ein Song jeden neuen Teil wie einen Refrain spielt und am Ende auch noch den völlig brillanten Titel »Sing Me Spanish Techno« hat … Die Stellen, an denen das Schlagzeug sich in Breaks wirft, die jeder Metalband ein anerkennendes Lächeln abgewinnen würden … Wie man sich vor guten Melodien kaum retten kann … Wie das alles einfach so hervorsprudelt, als käme es aus einer nie versiegenden Quelle … Das alles kann ganz euphorisch vor Glück machen. Es sind eben Platten wie diese, bei denen man sich wünscht, noch jung, unbedarft und blind begeisterungsfähig genug zu sein, um zu glauben, dass das wirklich jeder kennen und mögen muss.

LABEL: Matador / Beggars Group

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 22.08.2005