Review: The Lemonheads The Lemonheads

Es mögen Fakten für Schlagzeug-Nerds sein, aber was soll ich machen… Aus allen Drummern dieser Erde würde ich die Achtel auf der HiHat von Bill Stevenson heraushören. Und wie er auf die Drei nach einer kurzen Pause wieder einsetzt. Dieser Doppelschlag auf der Snare. Der Gott. Der arschcoole Brummbär hinter seinem – was die Trommelumfänge angeht – immer etwas zu aufgeblasenen, aber dennoch basic gehaltenen Schlagzeug. Der bei Black Flag, All und den Descendents eben die Punkrock-Achtel tight sein ließ und den Wirbelbreak neu definiert hat. Der den immer gleichen Songs und Riffs mit Minimalwendungen ausgerechnet über das auf ewig unterschätzte Instrument Schlagzeug ein ganz eigenes Gesicht geben konnte. Dieser Topdrummer ist nun zugleich auch Topproduzent des Comebacks des Jahres. Unglaublich, eigentlich. Auch ganz objektiv.
    Die wichtigste Nachricht, neben der vorhandenen Gesundheit von Indiepop-Legende Evan Dando, dürfte sein, dass die Platte wirklich etwas kann. Als wäre in den letzten zehn Jahren nichts geschehen. Natürlich ist das Album nicht mehr von jener naiven Leichtigkeit geprägt, die seine Vorgänger in den besten Momenten auszeichnet, natürlich hört man Stevensons Einfluss, auch aufs Songwriting, und den von Descendents-Bassist Karl Alvarez – aber alles in allem passt das erstaunlich gut zusammen. Auch wenn der Sound manchmal ein wenig mächtig ist. Passt schon.
    Dando beherrscht nach wie vor das Betexten sich nie ultrawichtig nehmender Songs mit nicht nichtigen Themen. Zwar weiß nur er, wie alles zusammenpasst, uns überlässt er aber zumindest Zeilen, an die wir uns klammern können. Wir dürfen kosten, aber nicht alles verschlingen. Neben Stevenson und Alvarez hat Dando sich weitere Mitstreiter eingeladen: den jungen Josh Lattanzi von u.a. Ben Kwellers Band sowie Garth Hudson von The Band. Und zweimal darf J. Mascis ein Gitarrensolo spielen, das jeweils klingt, als hätten die Neunziger gerade erst begonnen. Melancholisch? Euphorisch! Evan Dando hat als The Lemonheads im Laufe der letzten zwanzig Jahre verdammt viele Hits geschrieben. Auf einer Best Of zum 25-jährigen Bandjubiläum im Jahre 2011 wird man mindestens drei Songs von diesem Album wiederfinden. Gerade weil hier nie allzu offensichtliche Hits abgefeuert werden, bietet dieses Album genug Fleisch für 20 Durchgänge und mehr, denn The Lemonheads befolgen den Grundsatz: Halte einfach, was lange halten soll. Was mir ebenfalls gut gefällt: Durch die stilistischen Eigenarten der beteiligten Musikerpersönlichkeiten macht es absolut keinen Sinn, dieses zu Recht unbetitelte Album in die Discographie Dandos bzw. von The Lemonheads einordnen zu wollen. Es steht quasi für sich. Ein Comeback als Neuanfang unter veränderten Vorzeichen. Und Dando will mehr. In dieser Form soll das unser Schaden nicht sein.

LABEL: Vagrant

VERTRIEB: Universal

VÖ: 27.10.2006

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