Review: The (International) Noise Conspiracy The Cross of My Calling

Langsam muss man sich schon fragen, ob Rick Rubin nicht lieber dabei bleiben sollte, senilen Greisen ihren zweiten oder auch fünften Frühling zu bescheren und nebenbei die Musikindustrie zu retten. Anstatt Rockplatten zu produzieren, meine ich. Die aktuelle Metallica mag zwar auf dem Laptop klingen wie der Weltuntergang, also super, auf der Heimanlage (besitzen manche noch) jedoch wird daraus ein armseliges Geschepper, was einen mal wieder spontan ausrufen lässt: das klang doch aber auch schon mal besser.

    Bei »The Cross of My Calling«, dem neuen Werk der (International) Noise Conspiracy dagegen, vermisst man genau so ein Geschepper und ein wenig Apokalypse-Feeling. Ich habe es nicht ausprobiert, aber auf dem Laptop dürfte die Platte so aggressiv klingen wie »Leise rieselt der Schnee«, gesungen von meiner fünfjährigen Tochter. Da packt dich nichts von hinten, greift dich von vorne an, beißt sich an dir fest und das liegt eindeutig an dem eher schlappen Sound. Denn eigentlich ist das, was die Politrocker aus Schweden hier fabriziert haben, so schlecht nicht. Guter Sixties- und Seventees-schwangerer Garagenrock ist das, teilweise mit Doors-Orgel und schwerem Stones-Einschlag. Dazu dengelt pausenlos die Gitarre, na ja, man muss fast sagen: sie dengelt geradezu schon bluesig.

    So gesehen ist das alles wiederum recht stimmig. Mit »The Cross of My Calling« liegt eine unbedingt nostalgisch anmutende, zeitlos klingende Platte vor, die dementsprechend schmucklos und reduziert produziert wurde, die also ganz offensichtlich das genaue Gegenteil einer modernistischen Produktion sein soll, die einen gewissen, sagen wir mal: Neptunes-Touch schon haben sollte. Rubin hat hier also doch denselben Trick angewandt wie bei Johnny Cash oder Neill Diamond: er hat seinen Klienten auf das Wesentliche reduziert. Auch wenn man bislang gar nicht wusste, dass das Wesentliche an der Noise Conspiracy ausgerechnet eine Bluesgitarre sein soll.

    Was das nun aber genau bringen soll mit dem Retrorock, das ist wieder eine andere Frage. Man verbrennt jetzt ja nicht sofort seine Mountain-Platten, nur weil man von The (International) Noise Conspiracy auch ganz gut abgehangenen Schweinerock bekommt. Dementsprechend sind die ersten Reaktionen auf die Platte eher ratlos bis negativ. Und auch alte Refused-Fans, die mit der vorliegenden Nachfolgeband noch einigermaßen etwas anfangen konnten, werden sich nun kopfschüttelnd abwenden, denn das hier ist eindeutig eher Hippiescheiß denn Hardcore. Unglaublich politisch ist die Platte trotzdem natürlich wieder, das legen schon Songtitel wie »Hiroshima Mon Amour« oder »Washington Bullets« nahe, fast so politisch jedenfalls wie eine Benefitz-Party von Herbert Grönemeyer oder eine Brandrede von Bono für das Wohle Afrikas oder so. Obama hätte vielleicht nie neuer Präsident der USA weden dürfen, man hat das Gefühl, das Hassvakuum, das so entstanden ist, ist schon jetzt bei dieser Platte zu hören.

LABEL: Burning Heart Records

VERTRIEB: SPV

VÖ: 14.11.2008

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