Vergib mir Herr meine Galle. Aber es ist der Damon. Vergebt auch ihr mir, die ihr es wundersamerweise schafft, Mr. Albarn unvoreingenommen zu begegnen … ein weißes Blatt nur die Kunst …
    Es ist ein spiegelbildlich klarer Fall von protestantischem Selbsthass, den er erzwingt, dieser verzogene Sohn von David Bowie und Paul Simon, verdammt zu naseweiser Wendigkeit, liberal, weltläufig, geschmackssicher, ein saugend-grinsender Gewinnler, Mr. Slacker-Smith, lebendig nur wegen anderer menschlicher Energiequellen, manchmal dürfen es auch größere Gruppen, Länder oder ganz Afrika sein. Allein wie er auf dem Foto seiner neuen Ahnengalerie kokett den Kopf neigt. Well done, innit? So ist er. So sind wir. Gib mir die Peitsche.
    Yes, well done indeed, Damon. Alles, was an zeitgemäßen Bedürfnissen unserer kauflustigen, kulturell heimatlosen internationalen Kaste in der Luft liegt, ist hier Empire-isch gebündelt. Gesicht, Falten und besonders wichtig: Biografie. Tony Allen, Ex-Rhythmusgeber von Fela Kuti, hat unkorrumpierbare Mengen davon. Paul Simonon, Jahrgang 55, zerschlug einst auf dem Cover der besten Platte aller Zeiten seinen Bass. Jetzt ist er ein Mann mit Hut, der hübsche Öl-Schinken von der Themse malt und mit der beruhigenden Aussicht lebt, dass später eine Londoner Gasse nach ihm benannt wird. Brian »Danger Mouse« Burton, der britischste aller US-HipHop-Produzenten, hat mit Gnarls Barkley einen Meilenstein zwischen seine Albarn-Arbeiten gepackt. Und Simon Tong schließlich klingelt seit »Urban Hymns« mit der Gitarre, wie es der gemeine Insel-Afficionado zum Leben braucht. Das ist Rendite, vor allem Allen und Simonon, die seit ihren legendären Zeiten vor 20 bis 30 Jahren nie dem Ruf der biographischen Auswertung gefolgt sind. No Bullshit, no Revival.
Derart voll von Legende ist aus anfänglichen nigerianischen Sessions ohne Simonon in mehrfacher Post-Produktion und letztendlicher Neuaufnahme nun ein voll-englisches W.E.R.K. entstanden. Von Albarn selected und von Danger Mouse mit viel Sound verklebt, mäandert GBQ mit Coldblair'scher Mellon Collie auf und ab, macht weiche Bässe, seltene Offbeats (Allen weitgehend verschwunden), symphonische Gitarren, Dreiton-Loops und gepflegte Langeweile zu einer Londoner Grußkarte, wie sie breitenwirksamer kaum sein könnte. Nebel, Tee, Sehnsucht. Up to date. »Emptiness in computers bothers me«, nölt Albarn zu Sounds, die so tun, als wären sie Musik.
Nein, es ist nur der Damon in mir. Denn das elegant-geile an GBQ ist, dass man es problemlos ganz anders sehen kann, wie bei jeder guten Werbung: als wohlklingendes britisch-post-kolonial-generationsübergreifendes Kulturgut mit eingebauter Repeat-Funktion. Sympathy for the Damon …

LABEL: Emi

VERTRIEB: EMI

VÖ: 26.01.2007