Review: The Fiery Furnaces Rehearsing My Choir

Früher, als es eine Rockgeschichtsschreibung gab, hätte man für diese Band eine Außenseitergenealogie geschaffen. Man hätte die Incredible String Band angeführt oder die Residents, eine genaue Recherche hätte vielleicht entdecken lassen, weswegen sie auf Rough Trade sind. Geoff Travis verehrt seine alte Labelband Sudden Sway, ihren operettenhaften Umgang mit Musik, ihr Arrangieren der Klänge um eine Geschichte, die es zu erzählen gilt. Die Fiery Furnaces sind die US-amerikanische Entsprechung zu Sudden Sway. Wo diese das Soziale betrachten, geht es den Fiery Furnaces um Lebensgeschichten und phantastisches Erleben. Dafür entwickelten sie eine neue Art des Erzählens in der Popmusik, die es in ihrer Ausformung unmöglich macht, »Rehearsing my choir« noch als Popplatte zu hören.

    Ihr Thema ist die Lebensgeschichte der Großmutter der Geschwister Friedberger. Die Dame erlebte viel in der Arbeitswelt Chicagos und als Kirchen-Organistin. Offenbar passierte manch Wundersames um sie herum, so entwickelt das Album eine »Alice im Wunderland«-Perspektive in den Geschichten, der Miss Friedbergers Stimme beeindruckend gut entspricht. Ein Geflecht aus Barrelhouse-Piano-Kompositionen, Elektronischem und allen möglichen Kniffen des Pop-Songwritings erwirkt nichts Zwingendes, ergibt aber ein komplexes Ding, das als Hörspiel funktioniert. Der wirklich guten Arbeit am abstrakten Song, den Fähigkeiten, das Ausfasern zu gestalten, wird damit aber nicht Rechnung getragen. So wird man lange mit dieser Platte zu tun haben. Sie birgt alle Voraussetzungen, eine neue Kunstmusik daraus und drum herum zu erschaffen. Wenn denn mal endlich verstanden würde, dass außer den Fiery Furnaces in den USA keine Band vermag, eine eigene Sprache zu schaffen.

LABEL: Rough Trade Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 28.10.2005

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