Review: The Fever Red Bedroom

Man kann die rollenden Augen schon förmlich vor sich sehen. »The«, das abgenutzte Synonym für Garage. Die Kritik geht dabei so leicht von der Zunge, dass sie in diesem Fall schon wieder völlig fehl am Platz ist. The Fever kommen aus New York City, wo sich die Musik längst weg von den Strokes und hin zum breiten Plündern in etwas älteren Schubladen entwickelt hat. »Musik für diese besonderen Momente«, sagt The Fever-Sänger Geremy Jasper über »Red Bedroom«, und meint damit den Spagat zwischen Club und Bett. Treffender wäre es, The Fever zwischen die Stühle »punkiger New Wave«, »elektronisch begleitete Indiebretter« und »ruhige Rock'n'Roll-Zitate« zu stellen und dann zu merken, dass ihre Platte auf keinem bequem sitzt.
    Als vor den Strokes-Tagen in NY weder Proberaum noch Drummer aufzutreiben waren, begannen Jasper und Gitarrist Sanchez Esquire zu zweit Musik zu machen. Mit Gitarre und Drumcomputer, so wie es James Murphy und Co. gerade erfolgreich tun. Dann gingen die beiden den umgekehrten Weg, nahmen zwei Freunde an Bord, veröffentlichten innerhalb kürzester Zeit die »Pink on Pink«-EP und waren sofort das heiße Ding in der Musik-Szene des kalten Big Apple. Einige Touren mit The Rapture, Hot Hot Heat bzw. dem restlichen WhoisWho der heutigen Musikhipsters später stellten sie dann ihr Debüt fertig, das sich als wesentlich facettenreicher darstellt, als ihre EP noch vermuten ließ.
Schon die ersten Takte von Songs wie »Cold Blooded«, »Ladyfingers« oder »Labor of Love« machen klar, in welche Richtung die Reise geht: Arme nach oben, Füße auf den Boden, Hüften kreisen und bitte! Kreischende Gitarren, schnoddrig-krächzender Gesang, eine quietschende Orgel und ein jammernder Bass dominieren diese Platte – und man fragt sich, wie viel Spaß die Jungs wohl im Proberaum hatten. Kaltblütig bedienen sich The Fever in der Musikgeschichte: Da wird mit Referenzen bis in die frühen 50er-Jahre um sich geworfen, und das in keinster Weise schlecht. Man nimmt mit Iggy einen Drink an der Bar, geht mit Gang of Four abspacken, um später mit »Dream Machine« in absurd 80s-lastige (Alb-)Träume zu versinken. Ab da wird einen Gang zurückgeschaltet, und man könnte sie fast in den Support-Slot für ihre Label-Kollegen Elefant stecken.
Ein Fieber, so eigen wie ansteckend. Kann mir jetzt mal bitte jemand einen Arzt rufen?

LABEL: Kemado Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 15.11.2004

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