Review: The Cool Kids Bake Sale

Was ist nicht schon alles gesagt und geschrieben worden über die Cool Kids. War es nicht z. B. die unsägliche Schublade ›Hipster Hop‹, die für sie aufgemacht wurde und zu deren Posterhelden sie stilisiert wurden? Oder die sicherlich nicht unzutreffende Feststellung, dass die beiden so Retro wie ein neu aufgelegter Jordan 5 sind? Dabei bleibt oft auf der Strecke, dass die Musik von Mikey Rocks und Chuck Inglish vor allem eins verbreitet: Spass und gute Laune, ohne dabei albern zu werden oder Klischees zu bedienen.

    Was vor etwas mehr als einem Jahr in einschlägigen Musikblogs und als MySpace-Märchen begann, findet nun endlich seinen Weg auf einen ›offiziellen‹ Tonträger und bietet einen gesammelten Überblick über die Stücke, die schon länger im Netz herumschwirrten. Die Strategie, niemals einen physischen Tonträger zu veröffentlichen, war gute Promo, aber aufgrund des Drängens der Fans irgendwann nicht mehr haltbar. Die »new black version of the Beastie Boys«, wie Chuck das Duo im Track »One, Two« bezeichnet, bringen ein neues altes Soundbild auf den Tisch, das irgendwo zwischen Produktionen des frühen Rick Rubin und modernem elektronischen Minimalismus pendelt.

    Wabernde Basslinien treffen auf reduzierte Claps und Kicks, gesamplet wird (fast) gar nicht, und wenn, dann nur die eigenen Stimmen, um sie eine Oktave tiefer durch den Song zu jagen. Die Inhalte bleiben trotz angeberischer Arroganz auf Augenhöhe mit dem eigenen Publikum und drehen ihre eigenen Schwächen zu Stärken (»Got no penthouse! Well, then party on the rooftop!«). Gerade diese Einstellung und der Hang zum adrett modischen und ihre Vorliebe für Fahrräder (»Black Mags«) statt dicken Karren und goldenen Felgen, macht sie so symphatisch und sorgt für eine unmittelbare Bezugsnähe. Dass die damit verbundene Bboy-attitüde definitiv an die Achtziger angelehnt ist (einer der Songs heißt dann auch entsprechend »88«), hilft dabei, Alleinstellungsmerkmale in der aktuellen Hiphop-Welt zu kreieren, in der viele den Spaß ja immer noch hinten anstellen und lieber nur eine gewisse Härte demonstrieren.

    Es bleibt noch anzumerken, dass bei »Bake Sale« der Begriff Kurzweiligkeit durchaus angebracht ist, das Album misst nur knapp über eine halbe Stunde Spiellänge. Und das ist genau richtig so, hinterlässt einen starken Eindruck und macht Lust auf mehr (das nächste Album ist bereits für Anfang nächsten Jahres angekündigt). Nicht umsonst werden die beiden auch von A-Trak bis Ed Banger hofiert, hier hat man es eben mit einer genau zum richtigen Zeitpunkt angekommenen Revitalisierung schmerzlich vermisster Inhalte auf reduziert rockenden Beatkonstrukten zu tun. Nur bitte nennt es nie wieder ›Hipster Hop‹ …

LABEL: XL Recordings / Beggars Group

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 01.08.2008

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