Review: The Breeders Mountain Battles

Die gute Nachricht zu diesem Album ist gleichzeitig die schlechte: es gibt hier kein neues »Canonball«, keinen auch nur ansatzweise vergleichbaren Anwärter für eine Dauerrotation in der Indie-Disco. Das bewahrt »Mountain Battles« davor, wie ein Suchen nach vergangenen Zeiten zu wirken, der Hitformel von früher nachzujagen. Allerdings: ein klein wenig »Canonball«-Spirit, etwas mehr Spritzigkeit und Ausgelassenheit, hätte diesem Comeback auch nicht geschadet. Hier und dort bleibt man beim Hören mal hängen, etwa wenn in »German Studies« etwas Deutsch geradebrecht wird, doch im Großen und Ganzen erstaunt vor allem, wie harmlos dieses Album klingt.

    Die Breeders sind nicht mehr diese große Band, die aus der Asche der noch viel größeren Pixies hervorgegangen ist, um Teil von etwas so Weltbewegendem wie Grunge Anfang der Neunziger zu sein. Die Breeders waren einmal wie ein Paukenschlag: Kim Deal eine Art Großtante der Riot Grrls, der gegenüber Frank Black nur noch wie ein untersetzter dicker Mann wirkte, der alleine keine anständigen Songs schreiben konnte. Die Breeders sind heute dagegen eine Band, die nach all dem Kuddelmuddel um eine Pixies-Wiedervereinigung, die wiederum dann doch nur zu einer nicht mal halben Sache wurde, eben nochmals einen Versuch startet. Kim und Kelley Deal stehen aus der Originalbesetzung hinter der Sache, die beiden anderen Bandmitglieder – Mando Lopez und Jose Medeles – sind neu. Gemeinsam wollte man was machen. Nur was genau?

    Die Suche nach einer Identität lässt sich auch daran ablesen, dass plötzlich auch mal deutsch gesungen wird, »Regalame Esta Noche« auf spanisch, ein Stück heißt »Istanbul«. Die Deal-Schwestern scheinen viel herumgekommen zu sein in den letzten Jahren und versacken nun im eigenen Torf.

    Darum auch die Absage an das Alternative-Rock-Schema von früher. Man könnte ja denken, bei den Deals zu Hause wird kaum durchgelüftet, nein, nein: für Frischluftzufuhr wurde gesorgt. Leider ist der Band bei aller Vermeidung des Allzuoffensichtlichen nicht eingefallen, was an dessen Stelle treten könnte. Man spürt keine Dringlichkeit, keine Ambition, kein Wollen, nichts dergleichen. Stattdessen: Verlegenheit. Entschuldigung, dass wir auch wieder da sind. Aber bald werden wir wahrscheinlich auch schon wieder weg sein.

LABEL: 4AD / Beggars Group

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 05.04.2008

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