Review: The Blood Brothers Burn Piano Island, Burn

Godzilla und Mickey Mouse treten in einem Schreiwettkampf an, bei dem gewinnt, wer a) nach dem auskotzen b) am unverblümtesten die fluffigste Mike-Patton/Jello Biafra-Gesangslinie zu intonieren weiß. Womit der Leser dieser Zeilen weiß, dass er nicht die leiseste Ahnung hat, wovon ich rede. Die Blood Brothers kommen aus Seattle und sind fünf äußerst engagierte junge Menschen, die sich im Umfeld von kathartischen Schreieinlagen und wilden, musikalischen Arrangements die Wut von der Seele schreien/spielen. Die wirklich sehr surrealen und gerade mal assoziativ zu bezeichnenden Texte weisen bei dieser fulminanten Combo den Weg: hinter jeder Wendung, jedem Break steckt eine handfeste Überraschung.

    Gleich ob es um das Songwriting, das angesprochene Texten oder einfach nur Ästhetiken geht. Der Titelsong »Burn Piano Island Burn« dreht sich bei aller Schizophrenie z.B. um eine überraschend klare Melodielinie, die sehr an Mike Pattons Anfälle melodischer Schönheit in der ureigenen Wucht der Zerstörung erinnert. Das mit einem ordentlichen Hüftschwung gesegnete Gesangsduo Blilie/Whitney windet sich hier noch am plakativsten für dieses durchaus splitterhaft zu bezeichnende Album – das nach dem Hören dennoch rund und perfekt wirkt – um die eigenen Achsen: Aggression, Verspieltheit und komplexe Arrangements – ja; es stecken eine Menge Details und diverseste Instrumentierungen in dieser Platte, aber am Ende werden diese von der energetischen Dampfwalze namens Wall Of Sound überrollt. Das muss sich alles nicht ausschließen. Glaubt mir. Der eine »Hit« des mit vielen Highlights gesegneten Albums, »Ambulance vs. Ambulance« beweist dies. Viele Highlights, weil es teilweise nur Bruchstücke von Songs sind, die einen tagelang begleiten. »Its not the sound that matters, its the integrity that you keep within the music«, sagt Ross Robinson eingangs des Presseinfos.

    Ein zutreffender Satz, ausgerechnet von einem Mann gesprochen, der in den letzten zehn Jahren wie kein anderer zu vereinheitlichen wusste. Korn und Limp Bizkit haben sich seiner bedient und ihn groß werden lassen bzw. umgekehrt. Dann kam die Erleuchtung des Herren Produzenten und er widmete sich immer mehr der »Integrität« von Künstlern, denn des Images von Klang. Und da dies z.B. im Falle der ebenfalls von ihm produzierten At The Drive-In so gut funktioniert hat, ist es auch hier nicht nur der Sound oder die fette Produktion, der spontane Assoziationen zu dieser leider mittlerweile bekanntermaßen zersplitterten Ausnahme-Band wach werden lässt, sondern das Gütesiegel »Ross Robinson hat produziert«. Es funktioniert. Burn Nu Metal Burn. Aber ihr niemals diese CD. Denn Bonuspluspunkte gibt es für das wirklich ansprechende Cover-Design und die enhanced features: zwei kurze Live-Videos und ein netter Player. So wird der Kopierschutz erträglich.

LABEL: Artistsdirect

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 31.03.2003

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