Für über zehn Jahre waren die schwedischen Teddybären so etwas wie die Bloodhound Gang in gut. Vier Alben lang crossoverte sich die ursprünglich aus der Hardcore-Ecke stammende Band durch Punk, Funk, Pop und Sprechgesang, immer auf einem angemessen ausgefuchsten Hardcore- und Metal-Fundament. Im Gegensatz zu ihren US-amerikanischen Kollegen taten sie das musikalisch überaus versiert und ideenreich. Gemeinsam war beiden Bands das Händchen für Hits (nur dass die der Bloodhound Gang tatsächlich welche wurden, während die der Teddybears regelmäßig und nach Strich und Faden floppten) sowie der alberne bis vorpubertäre Humor (nur dass der der Teddybears in seiner Abseitigkeit tatsächlich lustig war). Unvergessen etwa die niedlichen s/w Lausbuben-Fotos in »Krieg der Knöpfe«-Ästhetik im Booklet ihres ersten Albums »You Are Teddybears«: die Jungs bei einer Radtour, beim neckischen Treiben im Freibad … und verschmitzt lächelnd vor einem brennenden Pentagramm. Oder das wunderschöne Digipack des Zweitlings »I Can´t Believe It´s Teddybears«, ganz in gedeckten Farbtönen, fast so edel wie ein klassisches 4AD-Artwork, vor allem dieser hübsche Streifen mit der fein marmorierten, edel rot und blau geäderten Struktur, der sich über das komplette Vorder- und Rückcover zieht, wusste zu gefallen: Bei näherer Betrachtung erwies er sich allerdings als fotografische Replik eines Vorhaut-Ausschnittes.
    Mit Album Nummer drei, ironischerweise »Rock´n´Roll Highschool« betitelt, legten Patrick Arve, Ollund, Joakim und Klas Åhlund zur Millenniumwende dann endgültig die harten Bandagen ab und verzettelten sich dabei ein wenig arg in der Stilvielfalt, elektronische Elemente und Reggae-Einflüsse aber dominierten das insgesamt ein wenig arg verschwommene Gesamtbild ihres ersten großen kommerziellen Erfolges, der nicht zuletzt in der Tatsache begründet liegen dürfte, dass auch »Rock´n´Roll Highschool« zumindest an Ohrwürmern genauso wenig geizte wie an Genrezitaten.
    Mit »Fresh!« legen die inzwischen zum Trio geschrumpften Teddybears nun endlich das Album vor, das ich mir immer schon von ihnen gewünscht habe. Stilistisch entschlackt und neu positioniert gibt sich das Trio heuer fast schon als skandinavisches Pendant zu den Puppetmastaz: etwas weniger Hiphop, dafür mehr Ragga, über einem dicken, pumpenden Elektronikgerüst zwischen Daft Punk und rockendem Elektro, verziert mit supercatchy Poprefrains und angereichert mit coolem, augenzwinkerndem Popwissen. Kaum sind sie keine Rockband mehr, rocken sie richtig und komplett ohne Ausfälle. Schon der stoisch pumpende »Hey Boy« und das Beenie Man-Cover »Little Stereo« garantieren eine gelungene Partie. Hits hat´s allerdings noch einige mehr. Blöde Floskel, aber so isses: meine Sommerplatte 2004.

LABEL: EPIC

VERTRIEB: Sony

VÖ: 26.07.2004