Review: Ted Leo & The Pharmacists Shake The Sheets

Wenn man sich auf persönliche Begeisterung stützt, der inneren Aufwühlung nachgibt; der Euphorie freien Lauf und der Kritik wenig Raum lässt, dann verwendet man erstens zu viele positiv besetze Attribute in einem Satz und stellt sich zweitens selbst auf die dünnste Stelle des Eises. Und kurz bevor jetzt selbiges mit mir einbricht, möchte ich dir – werter Leser – Mr. Ted Leo an die Hand geben. Anfang August 2004 begann meine verhängnisvolle Leidenschaft: Ein guter Bekannter beharrte ausdrücklich darauf, dass Ted Leo & The Pharmacists meine neue Liebe sein sollten. Dass darin meine feuchten Indie-Träume wahr würden. Dass ich meinen Begriff von Power-Pop umdefinieren bzw. aus dem Gedächtnis streichen würde. Oder mich wohlwollend an die rudimentären Überreste meiner Punkrock-Sozialisation erinnern und sofort wieder den Blick nach vorne richten würde. Und das war noch zu Zeiten des Vorgängers »Hearts Of Oak«. Die nächste Keule teilte Radio 4-Gitarrist Tommy Williams aus, als er mir einige Wochen später während des Monsters Of SPEX im Kölner Tanzbrunnen Mr. Ted Leo ob seiner Live-Qualität ans Herz legte. Ende Oktober schließlich, als ich »Shake The Sheets«, mit Absender-Adresse in den USA, aus dem Briefumschlag zu zittern versuchte, war es da: das Gefühl vom »ehrlichen Songwriting«, das mir keine Tränen entlocken oder pathetisch klingen will. Das Album, das meinen politischen Idealen auf die Schulter klopft, um sie auf einen Drink mit an die Bar zu nehmen. Dem erdrückenden Selbsteingeständnis der Begeisterung. Ende der 90er stand Leo mit Chisel noch in den Überbleibseln seiner Musikerlaufbahn: Seit 1999 war man mit Ted Leo RX/ Pharmacists, vier Alben und einer EP schon wieder aus der Plattenladen-Tuschel-Dimension straight on the way to Indie-Superstardom. Gereift. Gewachsen. Bodenständig. »There's no more bad weather underground«. Produziert von Chris Shaw, der mit seinen bisherigen Kunden wie Ween und Jon Spencer die Mitte von »Shake The Sheets« relativ gut verortbar macht. Ausgefeilte Texte, fröhlich-wütend den Moloch New York samt Peripherie antizipierend und mit Assoziationsmöglichkeiten nur so um sich schmeißend. Verweise auf stilistische Ausflüge Richtung Punk greifen zu weit, ein Runterreden Richtung Pop bei weitem zu kurz. Von welcher Seite man Ted Leo auch anpackt, man droht seine eigenen Schubladen vor die Stirn geknallt zu bekommen. Und fühlt sich dabei dennoch fabelhaft!

LABEL: Lookout! Records

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 21.02.2005

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