Review & Stream: Blood Red Shoes Blood Red Shoes

Blood Red Shoes Albumcover
BLOOD RED SHOES
BLOOD RED SHOES
JAZZ LIFE / PIAS / COOPERATIVE
ALBUM – 28.02.2014

Blood Red Shoes komplettieren mit ihrem neuen, gleichnamigen Album vorerst ihre Rockband-Karriere. Zum Stream der Platte gibt es nun auch unsere Rezension.

Grundsätzlich und vorneweg: Blood Red Shoes sind schon super. Ein extrem gutaussehendes Girl-Boy-Duo aus Brighton, das (Punk-)Rockklischees gegen den Strich bürstet und gleichzeitig abfeiert – und das mit ungebremster Power seit beinahe zehn Jahren, was man leicht übersehen kann, weil ihr erstes gemeinsames Album Box Of Secrets erst 2008 erschien.

Mit ihrer vierten Platte haken Laura-Mary Carter (Gitarre, Gesang) und Steven Ansell (Schlagzeug, Gesang) gleich drei Punkte ab, die in jedem guten Band-Lebenslauf stehen sollten. 1.) Das Album wurde in Berlin (Kreuzberg!) aufgenommen, 2.) Carter und Ansell haben es allein produziert, 3.) die Platte heißt schlicht wie die Band, was, wie man weiß, besondere Bedeutung hat, sofern es sich nicht um ein Debüt handelt. Ein solcher Titel kann für Neuanfang, Konzentration, Rückbesinnung stehen – oder für großes, möglicherweise erst frisch erlangtes Selbstbewusstsein.

Bei Blood Red Shoes ist es vor allem Letzteres: Der erste Song »Welcome Home« und die Single »The Perfect Mess« sprühen regelrecht Funken, die die Hütte in Brand setzen. Wären Carter und Ansell in natura nicht so zarte Personen, könnte man an hanteltrainierte Oberarme und breitbeiniges Posing denken, das diese Rockgewitter entfesselt – doch Namenspatronin für Blood Red Shoes ist ja Ginger Rogers: wegen ihrer bei einer zigmal wiederholten Filmszene blutig getanzten Füße.

Zurück ins Kreuzberger Studio. Berlin hat nur wenige eindeutige Spuren auf der Platte hinterlassen, eine S-Bahn-Durchsage beispielsweise und – mit etwas Interpretationswillen – auch den Song »Behind The Wall«. Das ist vermutlich nicht der Anfang einer Berlin-Trilogie im Geiste David Bowies, aber wer weiß. Offensichtlich haben Blood Red Shoes die Abwesenheit eines Produzenten sehr genossen und ungestört ihre beiden Hauptstränge vereint: die drängende Garagenpunk-Fiebrigkeit ihrer Frühphase und den Cinemascope-haften Stadionrock der letzten Platte In Time To Voices. Was bei Blood Red Shoes vor allem live schon immer begeistert und beeindruckt hat, haut einen jetzt schier um: wie zwei Leute mit nur zwei Instrumenten und ein paar Effektgeräten einen derart dichten Sound fabrizieren.

Carter und Ansell begegnen der strukturellen und stilistischen Limitierung eines Duos als kleinster Bandeinheit mit: Energie. Sie bauen nur wenige Verschnaufpausen in Form gemäßigter, poppigerer Songs wie »Far Away« oder »Tightwire« ein, den Gesang teilen sie sich gerecht auf. Aber hauptsächlich: klassische harte Riffs, pfeifendes Feedback, schwere Donner-Drums, hymnische Melodien. Wechsel zwischen laut und leise, zwischen zartem Gesang und Schreien.

Trotz einiger unstrittiger Gemeinsamkeiten sind Blood Red Shoes nicht The Kills oder Royal Trux, ihnen ist weder an glamourös-verruchter Kaputtheitsinszenierung noch an Destruktion von Menschen und Musik gelegen. Sie seien von ihrer eigenen Band besessen, sagte Steven Ansell mal in einem Interview, und das klingt angesichts der neuen Platte weniger arrogant als vollkommen plausibel.

Das Album kann aktuell in voller Länge auf Facebook vorab gehört werden. Weitere Streams zu ebenfalls am Freitag erscheinenden Alben: Neneh Cherry Blank Project, Beck Morning Phase.

Blood Red Shoes live
10.04. Berlin – Astra
11.04. Dortmund – FZW Halle
12.04. Hamburg – Übel & Gefährlich
13.04. Stuttgart – Wagenhallen
15.04. München – Backstage Halle
16.04. Frankfurt – Batschkapp
17.04. Köln – Stollwerk

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