Review: Sparta Wiretrap Scars

Ja, Sparta aus El Paso, Texas, das ist die neue Band der drei verbliebenen ex-At The Drive-In-Mitglieder, nachdem die beiden anderen, Cedric und Omar (jetzt als The Mars Volta aktiv und seit kurzem auch bei Universal unter Vertrag), den Bankrott des Systems Revolutions-Hysterie für die Massen erklärt haben. Nach einer Schnupper-EP im Frühling kommt jetzt ein komplettes Album, das überzeugender ist, als der kurze Vorgeschmack angedeutet hat. Für mich ist immer noch verwunderlich, wie Sparta an allen und Ecken an ATDI gemahnen und ausgerechnet der Gesang den Löwenanteil dazu beiträgt, sind es doch gerade nicht die originären Stimmen der berühmt gewordenen Vorgängerband, die wir hier hören. Musikalisch erinnert die tief im Herzen verankerte, teilweise immer noch recht wüste Emphase zwar auch gelegentlich an die Mutterband, über die Albumlänge aber gesellen sich genügend eigenwillige Stimmungen und Songformate zum altbekannten Spiel der hysterischen Rockinstrumente hinzu, als dass wir von einem Klon sprechen müssten. Ganz im Gegenteil. Sparta sind deutlich mehr an amerikanischem Mainstream-Rock interessiert, an melodiösen Spielereien, klaren Spannungsbögen, Akkordfolgen und freundlichen Harmonien, die gut die Hälfte der Stücke durchziehen. Ganz zu schweigen von den eingestreuten elektronischen Momenten. Wirklich auffällig ist die textliche Zurückhaltung des amerikanisch-mexikanisch-libanesischen Hybriden. Nur selten gesellt sich Wütendes in die zumeist persönlichen Zeilen. »Wiretrap Scars« ist sicher nicht der alles in Brand setzende Nachfolger einer Ausnahmeplatte wie »Relationship Of Command«, aber hey, dies hier ist auch eine andere Band. Die ewigen Vergleiche, derer auch ich mir nicht zu schade bin, werden die Vier sicher noch eine Zeit lang verfolgen, das Potenzial damit umzugehen steckt aber nicht nur in diesem Album, es ist auch live zu spüren. Für einen Eintrag in der Liste der aktuell bedeutsamen amerikanischen Rockentwürfe zwischen Underground und Mainstream reicht das dicke – wozu auch die Produktion von Jerry Finn beiträgt, dessen Arbeitsnachweise zwischen Blink182 und Green Day aber definitiv auf die falsche Fährte führen. Wenn schon, dann: Wer Rival Schools oder Quicksand genauso mag wie Built To Spill oder Modest Mouse, liegt hier goldrichtig.

LABEL: Motor Music

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 19.08.2002

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