Review: Sparklehorse Dreamt For Lightyears In The Belly Of A Mountain

Die leichte Version von Tom Waits, die schwere von Mark »E« Everett, und in der Mitte von beiden steht Mark Linkous und spült sich seine Trips mit Seifenblasenlauge runter. Das darauf folgende Kratzen im Hals macht schlechte
Träume – und schlechte Träume führen zu guter Musik; ein uraltes Gesetz, das meines Wissens noch nie versagt hat. Schon gar nicht bei dieser von SPEX irgendwie vernachlässigten Band Sparklehorse um den alten Drogie Linkous, die durchaus einen ähnlichen Status verdient hätte, wie ihn die Flaming Lips seit »Soft Bulletin« innehaben: den der verlässlichen Elder-Statesmen-Irren im voll charmant aufgepumpten Psych-Prog-Sound von Produzent Dave Fridmann. Auch wenn Sparklehorse eher die aufgeräumteren Vertreter ihrer Art sind.
    Mit dem letzten Album »It’s A Wonderful Life« von 2001 hat sich Mark Linkous anscheinend aus allzu düsteren Ozeanen freigeschwommen und lässt etwas mehr Sonne in sein Leben herein. Betonung auf »etwas« natürlich. Und mit »Dreamt For Light Years …« schließt er an den Vorläufer an, dieses Mal noch verstärkt durch Gäste wie Fennesz und Dangermouse.
    Verlustängste und andere neurotische Symptome schwingen natürlich immer noch mit: »Don’t take my sunshine away«, hofft er ängstlich im schönsten Beach Boys-Stil, später konstatiert er: »It’s not so hard«, aber ein bisschen hart ist es eben schon. Dass hinter jeder schönen Melodie von Sparklehorse eine Hölle wartet, ist in jedem Augenblick zu spüren, zumindest für sensible Angsthasen wie mich, die sich schon bei Zeilen wie »Some sweet day you’ll be mine« massiv bedroht fühlen. Die Musik pendelt zwischen zauberhaften Melodien, angepunkten Fuzzgitarren (oder angefuzzten Punkgitarren?) und verschlepptem Grummeln in unheimlich schwierigem, langsamem Tempo – wie im Titeltrack, der einen wirklich für Lichtjahre im Magen eines Bergmassivs dahindämmern ließe, wäre da nicht dieser Telefon-Ton, der einen immer wieder in die Wirklichkeit zurückholt. Gemessen an der letzten Platte von den Flaming Lips, die doch etwas zu sehr im proggigen Soundmatsch absäuft, ist »Dreamt For Light Years …« in diesem Jahr die bessere Wahl für den geneigten Anhänger songorientierter Psychedelika.

LABEL: Astralwerks/Capitol

VERTRIEB: EMI

VÖ: 29.09.2006

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