Sky Walking Sky Walking

Was lange währt: Mit Sky Walking veröffentlicht die electronic supergorup Sky Walking nach fünf Jahren ein Album zum Lauterdrehen

Der Raum resoniert hörbar, kaputtes Blech schwingt nach, Stühle knarzen, die Tasten werden angeschlagen, bevor die Röhren auf Betriebstemperatur sind, keine Zeit, Anweisung mit drauf, das Band läuft schon, wir stimmen die Instrumente dann unterwegs. So beginnt Sky Walking, und so wird das Album weitergehen und schließlich enden im letzten Stück, in »Paradise«.

Sky Walking sind eine electronic supergroup: Drei überwiegend durch ihre solitär in elektronischer Einsamkeit erdachten und ausgeklügelten Arbeiten bekannte Musiker treffen sich an einem Ort, hier als schäbiges Zimmer im Hinterhof eines Hamburger Plattenladens beschrieben, reagieren aufeinander, kommunizieren miteinander, ohne die Behauptung, Jazz zu sein oder Freie Musik. Das mag an ähnliche Konstellationen in letzter Zeit erinnern wie Groupshow oder das Moritz von Oswald Trio. Sky Walking klingt jedoch weitaus weniger konstruiert, verspielter, man hat das Gefühl, dass hier einfach mit Freude drauflosgemacht wurde, ohne an eine mögliche Veröffentlichung zu denken – wenn man davon absieht, dass natürlich jeder Künstler immer in dem Bewusstsein arbeitet, dass jegliche Äußerung das Potenzial in sich trägt, irgendwann veröffentlicht zu werden. Die Aufnahmen zu Sky Walking zogen sich aber fünf Jahre hin, und die Haltung dahinter ist schon Punkrock, mit Postpunk im Sinne.

»Departures« heißt das erste Stück: Abfahrten nicht Abfahrt, nicht Techno, wie man beim Blick auf die Künstler und das Label vermuten könnte. Sky Walking liegt fern davon. Das Album formuliert eine Annäherung an Lieblingsmusiken, die eben nicht das sind, »was man kann« und was wir so auch kennen von Christian Naujoks, Peter M. Kersten und Richard von der Schulenburg auf den Labels Dial, Mule Musiq oder it’s (also bei Erstgenanntem etwas wie Raummusik zwischen Marimba, Flügel und Elektronik, den Club im Hinterkopf, und bei den Letzteren Clubmusik mit gelegentlichen Ausflügen in abwegigere elektronische Bereiche), sondern das, was man – laut Plattenpass: Nuova Consonanza, Spektralmusik, Akusmatik oder Psychic TV – »nicht kann«, aufgrund handwerklicher Unterlegenheit (gegenüber den Kompositionsschulen) oder aufgrund intellektueller Überlegenheit (weil man nicht an religiösen Quatsch glaubt wie Genesis P-Orridge).

Das heißt, das Annähern, dem wir hier beiwohnen, ist das eines verliebten Übersetzers, der nur Bruchstücke der fremden Grammatik beherrscht. Sky Walking sind Menschen mit Ohren – und daraus ist ja schon immer schönste Musik entstanden, vielleicht sogar alle schöne Musik. »Kannst ’nen klein’ Tick lauter machen?« Aber gerne!

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