Review & Stream: Sebadoh Defend Yourself

Sebadoh - Defend Yourself

SEBADOH
DEFEND YOURSELF
JOYFUL NOISE / DOMINO / ROUGH TRADE – 13.09.2013

Defend Yourself heißt die Devise von Sebadoh heute, 19 Jahre nach Bakesale. Die Rezension ihres neuen Albums begleitet ein Stream.

Dass die erste LP von Sebadoh seit The Sebadoh aus dem Jahre 1999 als Ereignis wahrgenommen wird, lässt sich nicht nur an zahllosen begeisterten Ankündigungen im Internet ablesen, sondern auch an der Reaktion des Labels Joyful Noise. Dessen Mitarbeiter haben ein Video davon ins Netz gestellt, wie das Artwork, von Lou Barlow persönlich gezeichnet, verpackt und abgeschickt, von ihnen in Empfang genommen und begutachtet wird. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wie mit großer Ehrfurcht, aber auch einer gewissen Ratlosigkeit Seite um Seite eines schlichten Zeichenblocks umgeblättert wird, auf denen sich wenig mehr als handgeletterte Versionen des Titels und Zeichnungen eines Herzen finden. »No idea what this stuff is for«, wird da aus dem Off gemurmelt, um dann – mit Freude – das Cover zu identifizieren.

Auf der Website des Labels findet sich auch die Information, dass Sebadoh nun zum alten DIY- Recording-Ethos der frühen kanonischen Werke wie Bakesale oder Sebadoh III zurückkehren woll- ten. Eine interessante Versuchsanordnung: Eine Band an der Speerspitze der Lo-Fi-Indierock-Bewegung, die zu ihrer Zeit, also in den 1990ern, mit dem Ende von Indie als Produktionsstruktur zu kämpfen hatte (remember Nirvana?), kommt jetzt in einer Zeit als Indie-Acteur zurück, in der einerseits eine neue Do-It-Yourself-Kultur in großem Maßstab kommerzialisiert wurde (think Dawanda und Etsy, wo neue Unternehmen mit selbstgemachten Prodüktelchen viel Geld verdienen) und andererseits aus der prekären Not eine DIY-Tugend gemacht werden musste (think Dawanda und Etsy, wo Craftistas sich für erschwingliche Handarbeitsunikate selbst ausbeuten).

Die Zeiten sind natürlich auch an Barlow nicht spurlos vorüber gegangen: Im Gegensatz zum teuer aufgenommenen und gefloppten Album The Sebadoh wurde nun (fast) alles schnell und billig im Übungsraum selbst produziert. »Things have changed, but I am still the same«, heißt es paradigmatisch im Opener, und man kann nicht sagen, dass das stören würde. Denn genau das ist es ja, was man von – aktuell – Lou Barlow, Jason Loewenstein und Bob D’Amico haben möchte. Trotzdem ist die Platte genau an den Stellen mühsam, wo das Gefühl aufkommt, hier fänden sich Zugeständnisse an moderne Produktionsweisen oder Rockigkeit. In problematischeren Momenten klingt das wie eine Mischung aus Foo Fighters und Pearl Jam, nach Wüsten- oder Trucker-Rock. Auch eine der typischen herzzerreißenden Barlow’schen Balladen, die so gekonnt auf der Klaviatur verletzter weißer In-die-Wimp-Hetero-Männlichkeit spielen, findet sich nicht auf Anhieb. Aber dafür Momente mit diesem gebrochenen Barlow-Schmelz, aus dem man immer noch die Enttäuschung über den Rauswurf bei Dinosaur Jr. vor fast 25 Jahren rauszuhören meint, Momente mit fast schnulziger Akustikgitarre, Momente mit dreckiger Distortion. Und Momente sind im Alter, wenn man schon meinte, sich hoffnungslos auseinander gelebt zu haben, gar nicht schlecht.

Defend Yourself ist aktuell auf npr.org im Stream zu hören. Weitere Rezensionen & Streams zu ebenfalls heute erscheinenden Alben auf SPEX.de: MGMT MGMT, Janelle Monáe The Electric Lady, Body/Head Coming Apart, Jessy Lanza Pull My Hair Back.

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