Review: Run The Jewels

Run The Jewels
RUN THE JEWELS

RUN THE JEWELS
BIG DADA / ROUGH TRADE – 10.01.2014

Als Run The Jewels haben El-P und Killer Mike gemeinsam so viel Spaß wie lange nicht mehr – und wir mit ihnen. Am Freitag wird ihr bereits im Sommer online gestelltes Album nun nochmals offiziell veröffentlicht. Die Rezension.

Nichts an der Tatsache, dass El-P und Killer Mike ein gemeinsames Album aufgenommen haben, ist absurd. Beide MCs stehen für eine Art von No-bullshit-Rap, die ebenso einschüchternd wie unterhaltsam ist. Ihre Kompatibilität haben sie schon 2012 auf Killer Mikes R.A.P. Music bewiesen, einem von El-P produzierten Album, das Hip-Hop-Historisierung, politische Brandrednerei und die familiären Verpflichtungen eines von der Versuchung verführten Enddreißigers souverän vom Stripclub aus organisierte. Sehr absurd ist aber, dass El-P und Killer Mike nun eine Spaßplatte gemacht haben. Unter dem Banner Run The Jewels sind sie mehr Tyson als Ali: Die Polizeistaat-Paranoia und Selbsthilfelektionen der jeweiligen Soloprojekte ruhen für eine gute halbe Stunde, die ganz auf trash talk gebürstet ist.

Steht man auf so etwas, ist Run The Jewels die lustigste Platte des Jahres. Höchstens noch das New Yorker Frechheiten-Schlachtschiff Action Bronson hält mit, wenn sich Killer Mike und El-P unter ständiger gegenseitiger Anstachelung zu Abrechnungen und Beleidigungen aufschwingen, die es mit der herben Poesie von Adam Sandlers Wutanfällen in Punch-Drunk Love aufnehmen können. Killer Mike schießt mit Kanonen auf Hundebabys und knöpft sich in einem der wenigen konkret adressierten Momente Jay Z und Kanye West vor. El-P ist chirophobisch unterwegs: Einem Konkurrenten droht er den Verlust der Masturbationshand an, einem anderen empfiehlt er, seine »jazz hands« wegzustecken, ansonsten: »Get them shits sliced!«

Das Fazit aus all dem ist immer, dass Run The Jewels die Geilsten sind; eine These, die sie so elegant und unanfechtbar wie zwei Elefanten vertreten. Obwohl ihr Album bereits seit Juni als Gratis-Download erhältlich ist (die nun vorliegende Kaufversion enthält einen Bonustrack und Remixe von Dave Sitek, DJ Qbert und Blue Sky Black Death), lässt es sich nicht als Dreingabe zu ihrem Erfolgsjahr 2012 abtun.

Schon um nicht vom jeweils anderen ausgestochen zu werden, rappen sich beide MCs in erstaunlichen Geschwindigkeiten und Verrenkungen den Arsch ab. Zahlreiche Call-and-response-Momente unterstreichen den kollaborativen Charakter von Run The Jewels, der weit über die sonst übliche Zusammenstückelung von Rap-Features hinausgeht. Ein paar Mal beendet der eine sogar die Sätze des anderen.

El-P fährt dazu eine an Stimmung und Aussagen angepasste Produktion auf: geradliniger als auf seinen Soloalben, weniger verdichtet, auch mal mit Luft zwischen zwei Loops. Dabei entpuppt sich Run The Jewels abermals als Expertenmusik. Der Unterschied zwischen einer Spaßplatte und HipHop, der auch dem Hörer Spaß macht, wird hier ebenso schnell erkannt wie aufgehoben.

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