Review: Robyn Konichiwa Bitches

Was bei ihrem alten Label Jive unmöglich gewesen wäre – der Re-Release ihres »neuen« Albums »Robyn« rund zwei Jahre nach der schwedischen Erstveröffentlichung – hat sich Robin Miriam Carlsson mit ihrem Label Konichiwa Records geleistet. Die erste Auskopplung aus dem in Deutschland Anfang August erscheinenden Album »Robyn« – »Konichiwa Bitches« – kann man somit musikalisch für das Pop-Jahr 2007 nicht als »neu« oder »innovativ« einstufen. Eingängige Popmusik hingegen ist es allemal, man könnte gar soweit gehen und sie »zeitlos« nennen. »You wanna rumble in my jungle / I take you on«, frontet sie gleich zu Beginn, halb sprechend, halb singend über einen schön gebrochenen Beat, nur um die eigene Inszenierung mit Zeilen wie »You wanna thrilla in Manila / you’ll be killabee stung / wanna taste the vanilla / better watch your tounge« fortzuführen. Da wird schnell klar: Cheekyness hat sie ebenso anzubieten wie musikalische Bandbreite, außerdem eine gute Gesangsstimme, die gleichzeitig auch edgy ist. Und Robyn hat eine ganz genaue Ahnung davon, wie ihr Popmusik-Entwurf wahrgenommen werden soll. Denn »Konichiwa Bitches« ist nicht die Art von Single, die auf TRL Germany abgefeiert werden, sondern die eher im Indie-Club neben M.I.A. oder The Knife laufen könnte. Stichwort: Karin Dreijer Andersson und Olof Dreijer halfen bei der Produktion des Album-Tracks »Who’s That Girl« ebenso, wie sie Konichiwa Records in ihr Management Deutsch-Englische-Freundschaft integrierten. So überrascht zumindest einer der drei remixenden Künstler auf der »Konichiwa Bitches«-Single nicht: Der Däne Anders Trentemøller macht aus dem Track ein Rhythmusmonster, verleiht dem Original einen Touch von Drum’n’Bass, fügt verzerrte Gitarrenriffs hinzu ebenso wie ein Bass-Spiel, das frappierend an »Bustin’ Surfboards« (The Tornadoes, »Pulp Fiction«) erinnert. Die beiden Remixes von Oscar The Punk (weitere Arbeiten für Roísín Murphy und Gwen Stefani) sowie Menta sind hingegen nicht weiter erwähnenswert. Bleibt das Artwork: Ebenso wie Franz Ferdinand auf »You Could Have It So Much Better« bedient sich Robyn des russischen Konstruktivismus für das Cover der Single, Motiv und Gestik sind nahezu identisch. Wo verortet man etwas so Offensichtliches? Als Hommage? Als dreisten Kreativ-Diebstahl? Oder als mangelndes Wissen um aktuelle Popkultur? Letzteres kann man schon einmal streichen: Nirgends ist Robyn derzeit populärer und erfolgreicher, als in England.

LABEL: Konichiwa Records / Ministry Of Sound

VERTRIEB: Edel

VÖ: 26.03.2007

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