Review: Rilo Kiley More Adventurous

Dass sich Sängerin Jenny Lewis zu den Aufnahmen von »The Absence of God« splitterfasernackt auszog, um das, besungene, Gefühl von Entblößung und Verletzlichkeit spürbarer zu machen, mutet wie eine drollige Übung im »method acting« für Indie-Sängerinnen an, wahlweise aber auch als hübsche Sabber-Vorlage für die männlichen wie weiblichen Fans. Wenn Lewis von den Untiefen in Leben, Liebe und Politik (»It´s a hit«) schreibt und singt, kann man ihr einen stimmlichen Mangel an Intimität und Einfühlungsvermögen kaum vorwerfen. Die gute Frau hat mehr Seele in der Stimme als alle Joss Stone-Frühchen der Welt. Ob Saddle Creek oder Warner, Indie oder Major – Rilo Kiley setzen fort, was sie im selbstbetitelten Erstling und »The Execution of all Things« angelegt haben: herzwärmende Melodien mit bittersüßen Texten. Es mag den besseren Produktionsbedingungen zu danken sein, dass »More Adventurous« zugleich geradliniger und opulenter orchestriert klingt: Das eigentliche Set aus Geigen, Posaunen, Gitarren, Drums und Trompeten bleibt unverändert. Ein mäkeliger Fan und Autor beklagte in einer weinerlichen Rezension, Rilo Kiley hätten sich zu Fahrstuhl-Musik-Pop entwickelt. Schön, wenn in den Fahrstühlen dieser Welt derart kluge und unsentimentale Musik gespielt würde. Denn am besten ist Jenny Lewis, wenn sie ihrem Lieblingsthema – falling in and out of love – gewohnt herrlich-pragmatisch begegnet: »The talking leads to touching / and the touching leads to sex / and then there is no mystery left«. Wer »Portions for Foxes« nicht für mindestens sieben Wochen in der Dauer-Rotation seines mp3-Players laufen lässt, der – ist nun wirklich ein ganz harter Hund.

LABEL: Brute/Beaute

VERTRIEB: Warner Music

VÖ: 21.02.2005

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.