Review: Ricardo Villalobos Fabric 36

Innerhalb weniger Jahre nur erfolgte die Ikonisierung des Ricardo Villalobos. Mit der Mix-Compilation für den Londoner Fabric Club aber wird eine Trilogie der legendären Artikulationen komplett: zunächst die Beat Street Partys in Berlin mit Villalobos und Hawtin als Meistern der Hysterie, die »Fizheuer/ Ziehheuer«-EP im vergangenen Jahr mit ihren Windungen, Schindungen, Schrotigkeiten auf 35 Minuten pro Track. Und nun eben: Maßt es sich der Sohn chilenischer, anlässlich Pinochets Machtergreifung geflohener Eltern, an, mit einem Schlag die Konventionen von sowohl Autoren-Album wie auch DJ-Compilation über den Haufen zu werfen.

    Denn ja, »Fabric 36« ist ein Mix, doch besteht er  ausschließlich aus neuen Villalobos-Stücken. Wo ich schon einmal mit der Drei hantiere, ebensoviele Phasen durchläuft der Mix. Zu Beginn erhebt sich einfach dieser tröpfelnde Minimal aus dem beinahe klassisch sphärischen Villalobos-Intro, der aus Mikro-Drumsounds diese Musik für die feinen Nerven im System cuttet. Nach vier, fünf Stücken dürfen die Klänge auch Körperfülle annehmen, und ein lässiger Free Rave-Vibe zeichnet alles schön weich. Es ist bezeichnend, wie unmerklich Villalobos seine Stücke aus den Vorgängern entstehen lässt, sodass sich Spuren einer zunehmenden Verdunklung bei gleichzeitiger Intensivierung dieser rituellen Musik bereits im noch ziemlich technoiden »4 Wheel Drive« abzeichnen: Perkussions immenser Physis sagen sich in Fetzen schonmal an.

    Das Finale ist überwältigend, wenn dann zugedrogte Frauenstimmen in der Aufnahmesituation was zum Pult lallen und in »Primer Encuentro Latino-Americano« südamerikanische Trommel- und Gesangsgruppen in einen angefilterten Housebeat rutschen. Tss, tss… dieser Mann. Eine Schraube locker. Wie gut das fürs Feiern ist.

LABEL: Vital Dist

VERTRIEB: RTD

VÖ: 07.09.2007

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