Peaking Lights Cosmic Logic

Wider dem Vergessen? So selbstgenügsam die Peaking Lights sich mit ihrem neuen Album, Cosmic Logic, historisch bedienen, wird ihnen das selbst kaum gelingen.

Es ist ein bisschen schade, dass den beiden »Genres«, die Ende der Nuller-, Anfang der Zehnerjahre am meisten von sich reden machten – Hypnagogic Pop und Hauntology – heute in musikalischer wie in konzeptueller Hinsicht die Puste ausgegangen ist. Im weitesten Sinne kann man auch das US-Duo Peaking Lights und dessen einstiges Label Not Not Fun dem hypnagogischen Dunstkreis zurechnen, aus dem Indra Dunis und Aaron Coyes nun spätestens mit ihrem vierten Longplayer Cosmic Logic ausbrechen. Eine Textzeile aus dem Song »Breakdown« bringt es auf den Punkt: »I wanna break free of breaking down / Break free of all that haunts me …«

Jenseits des reizvollen Konzeptionalismus lassen sich die beiden genannten Genres übrigens auch als Teil des Digger-Kontinuums lesen – nicht umsonst florierten sie zur goldenen Zeit der Musik-Blogs und des globalen Vinyltourismus. Vormals Noise- und/oder Gitarren-fixierte Indiebands nutzten in dieser Zeit verstärkt die Gelegenheit, durch Plattenkisten zu wühlen, das globale Archiv zu erforschen und ihre Entdeckungen Indie-gerecht zu rekodieren. So entstanden Lo-fi-Versionen von Genres oder Mikrogenres, die es bereits zuvor gegeben hatte, beziehungsweise Synthesen ehemals unverbunden nebeneinander existierender Musikwelten. Bei den Peaking Lights waren es Dub und der sogenannte »Sunshine Pop«, eine typische, drei Wochen lang gültige und dann nicht weiter verfolgte Idee aus der Ära des Postpunk. Durch den amateurhaften und spielfreudigen Umgang mit dem Material (und dessen Manipulation durch analoge Effektgeräte) entwickelte das Ganze einen besonderen Charme – der sich jedoch, von Platte zu Platte und von einer Professionalisierungsstufe zur nächsten, bald wieder verflüchtigte.

Mit Cosmic Logic (und einem Albumcover, das überraschenderweise zu 100 Prozent hypnagogische Bildwelten antriggert) spielen Peaking Lights nun in der ewigen Gegenwart sogenannten Elektro-Pops: Es gibt eingängige, leicht verdauliche Songs (darunter durchaus gute wie »Eyes To Sea«, »New Grrrls« oder eben »Breakdown«); es gibt Synths und elektronische Beats (durchaus gut miteinander verwoben); es gibt von nichts zu viel und von allem zu wenig. Statt eine neu entdeckte musikalische Sprache systematisch weiter zu entwickeln und tatsächlich einen eigenen Sound zu kreieren, statt die Aneignungsformen zu reflektieren und produktiv zu machen, haben sich Indra Dunis und Aaron Coyes brav nach Bedarf bei Disco, Cosmic, Italo, Acid, Chicago House und Afrobeat bedient, um diesen Klangsprachen nichts Neues hinzuzufügen. Das darf man! Das machen doch alle! Aber wie hießen noch mal all diese Bands?

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