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Vater-Sohn-Romantik: Mit Nehruviandoom liefern Bishop Mehru und MF Doom ein quasi-erwachsenes Coming-of-age-Album ab

MF Doom ist so etwas wie der Kai Ebel des HipHop-Business. Und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen. Denn ebensowenig nachvollziehbar wie die Gabe des RTL-Formel-1-Reporters, im einen Moment an der Unfallstelle sein zu können, um Sekunden später in der Boxengasse den Rennleiter zu befragen und zeitgleich schon das nächste Interview einzufädeln, ist MF Dooms Vermögen, eine derart ungesunde Menge Aktivität in ein einziges Menschenleben zu zwängen. Beide sind Hexer auf ihrem Gebiet.

Nun liegt die nächste Station im Doom’schen Schaffen vor: ein Projekt unter dem etwas sperrigen Titel Nehruviandoom. Beim neuesten Sparringspartner des Veteranen handelt es sich um den New Yorker Bishop Nehru, einen weiteren aus der Riege blutjunger Rapper, deren glasfasergenährte Musikbibliothek schon in zartem Alter eine stilistische Sicherheit hervorbringt, die bisweilen unheimlich erscheint. Nehru, so lernt man, war zur Zeit der Aufnahmen ganze 16 Jahre alt und verdingt sich bereits seit seinem elften Lebensjahr mit Freestyles und dem Zusammenbauen von Beats.

Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass das Album Nehruviandoom eine gewisse Vater-Sohn-Romantik versprüht. Doom übernimmt die Rolle des Leuchtturms, der seinem jungen Protegé den Weg durch das finstere Dickicht der Branche weist. »Young blood, he’s smart, he’s tough«, heißt es beispielsweise im Intro zu »Caskets«. Und weiter: »But he has a lot to learn about survival / And the man he’s gonna learn from is …« Richtig, Daniel Dumile alias Doom.

Musikalisch liefert das Album genau das, was man erwartet: Jazzige Beats poltern munter und etwas retro-beseelt aus den Lautsprechern, wie man es seit mindestens 15 Jahren vom Meister kennt und schätzt. Einige Versatzstücke kommen einem bereits von den zehn Special-Herbs-Alben her bekannt vor, was jedoch nicht weiter verwerflich ist, da der Fokus klar auf Bishop Nehru liegt. Dieser schwebt mit schlafwandlerischer Sicherheit über den holprigen Beats und liefert ein kleines Manifest quasi-erwachsener Coming-of-age-Lyrik ab, das auf eine goldene Zukunft hoffen lässt. Bleibt festzuhalten, dass sich der MF-Doom-Sound trotz hochtouriger Veröffentlichungsdrehzahlen noch immer nicht abgeschliffen hat. Wie Kai Ebel eben, der auch nach dem zwanzigsten Crash-Report noch frisch in die Kamera lächelt.

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