Review: Lil' Kim The Naked Truth

Am 25. Februar 2001 feuert Damion Butler, Manager von Kimberly »Lil' Kim« Jones, vor dem New Yorker HipHop-Radiosender Hot 97 mehrere Schüsse auf die Rapper Capone-N-Noreaga ab. Ein Mensch wird verletzt. Bei einer Gerichtsverhandlung sagt Jones unter Eid aus, sie habe Butler nicht schießen gesehen. Später tauchen Überwachungsvideos auf, die das Gegenteil belegen, und Kims ehemaliger Junior M.A.F.I.A.-Kollege Lil' Cease bestätigt, dass sie gelogen habe. Der Richter Gerald Lynch verurteilt sie am 06. Juli 2005 wegen Meineids zu einem Jahr und einem Tag Knast. Seitdem arbeitet Lil' Kim wie besessen daran, das Album zu ihrem Knastaufenthalt, ihr viertes Soloalbum, fertig zu stellen. Es erscheint eine Woche nach ihrem Haftantritt. Eine bombastische Platte, voller Rechtfertigungen, aber auch eine aggressive Vorwärtsverteidigung, der energetische Versuch eines Befreiungsschlags. Und die Reggaeton-Vorabsingle »Lighters Up« ist sogar richtig gut, auch wenn Foxy Brown die bessere Rapperin bleibt. Völlig unsäglich aber ist die »Free Lil' Kim«-Kampagne, mit der ihre Plattenfirma jetzt weltweit Laternenpfosten, Mülleimer, Plattenläden und Internetseiten zupflastert. Nicht nur, dass sie Unsinn ist. Kimberly Jones war so doof, bei einer Aussage unter Eid zu lügen, und dafür kommt man nun mal in den Knast, wenn man erwischt wird. Aber Kampagnen wie diese haben zur Folge, dass die HipHop-Community bald nur noch ein müdes Lächeln übrig haben wird, wenn mal wirklich jemand im Knast Unterstützung braucht. Der will ja eh nur eine Platte verkaufen, heißt es dann. Zumindest aber Kimberly Jones profitiert von der ganzen Angelegenheit. Ihr neues Album verkauft sich wie geschnitten Brot. Und sie hat jetzt ein Thema, ein Anliegen, etwas, womit sie arbeiten kann. Dem Vernehmen nach schreibt sie im Knast schon jeden Tag am nächsten Album …

LABEL: Atlantic Records

VERTRIEB: Warner Music

VÖ: 25.09.2005

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.