Review: L'Altra Different Days

Wenn sich die Großstadtlichter im nassen Asphalt spiegelten und die Gefühlshaushalte allerorts aus der Balance gerieten, dann schlug bisher die Stunde der erhabenen Emotionen von L’Altra. Auf den ersten beiden Alben »Music of a Sinking Occasion« (2000) und »In The Afternoon« (2002) verströmte das Chicago-Outfit behaglichen Kummer, der sich in schwelgerisch-schwerelosem Downtempo-Gitarrenpop manifestierte. Diese schönen Seelen erwiesen sich als gute Begleiter in einsamen Nächten. Tröstlich war das.
L’Altras drittes Werk »Different Days« ? nomen est omen ? schlägt andere Töne an: Das Quartett ist zum Duo geschrumpft und hat sich offenbar eine Modernisierungskur verschrieben. Inspiration mögen die übrig gebliebenen Lindsay Anderson und Joseph Costa zwar weiterhin aus ihrer spannungsreichen Konstellation als ehemaliges Liebespaar schöpfen, doch ihre gebrochene Romantik umgeben sie nun mit einer elektronisch-gefärbten Klangtapete. Produzent Joshua Eustis (Telefon Tel Aviv) tat ein Übriges, indem er die kammermusikalischen Anklänge dezent in den Hintergrund mischte. Den sonst so geflissentlich transportierten Trübsinn schnürte er in handwerklich perfekten Lounge-Sound. Viel von L’Altras schlichter Sinnlichkeit geht dadurch verloren, auch wenn (und weil) Anderson stimmlich stets alle Pathos-Register zieht. Gleich der opulente Opener »Sleepless Night« lässt erahnen, dass die mehr als zwei Schritte in Richtung des GANZ GROSSEN POP das ein oder andere Kleinod am Wegesrand zertrampelt haben dürften. In der Folge gehen die meisten Songs im unentschiedenen Feld zwischen ambitioniertem Elektro-Pomp und der schwermütigen Gitarrenanlage verloren. Mag sein, dass dieses Album seine Liebhaber findet ? die aber werden an L’Altra etwas anderes schätzen als deren Tröstlichkeit. Nur was?

LABEL: Hefty

VERTRIEB:

VÖ: 14.02.2005

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.