Review: Kings of Leon Mechanical Bull

KINGS OF LEON
MECHANICAL BULL
RCA / SONY – 20.09.2013

Heute veröffentlichen Kings of Leon ihr neues Album Mechanical Bull. Nach »Sex On Fire«, all den U2-ismen und langer Pause, was kann von dieser Band noch erwartet werden? Die Rezension.

Gott, was soll man denn jetzt noch über die Kings Of Leon sagen? Bands wie sie gibt’s ja eigentlich gar nicht mehr. Das ganze 70er-Jahre-Gehabe, die krampfige Sehnsucht nach Größe, das Linkische, Stocksteife – zu allem Überfluss religiös verbrämt. Mensch, lach doch mal! So ernst muss man die Keith-Moon-Biografie nun auch wieder nicht nehmen.

Andererseits: Wer noch nicht komplett mit der Rockmusik abgeschlossen hatte, musste diese zotteligen Rednecks lieben, wie sie zu Beginn der sogenannten Nullerjahre plötzlich überall rumtorkelten. Die Kings Of Leon hatten damals die beste Biografie und die tollkühnsten fingernagelschmutzigen Rocklieder. Musik, wie man sie wohl wirklich nur schreiben kann, wenn man jung ist. Dann kam »Sex On Fire«, der Hit für musikdesinteressierte Versicherungsfachangestellte. Es kamen die großen Bühnen, die Taubenscheiße, die Mega-Egos. Als sich die Band schließlich vor zwei Jahren nach einem Zusammenbruch zurückzog, war man nicht besonders traurig.

Man muss sich das alles noch mal kurz in Erinnerung rufen, weil die Kings Of Leon plötzlich wieder ein paar jener Eigenschaften haben, die sie ganz am Anfang auszeichneten. Zumindest in der ersten, bisweilen durchaus magischen Hälfte verzichtet Mechanical Bull auf U2-ismen und Stadion-Approach, ist überwiegend genau die wilde, wüste Southern-Rock-Platte, die man sich von dieser Band noch mal gewünscht hat. Die erste Single »Supersoaker«, das räudige »Rock City« (reden wir nicht über den Titel!) und vor allem das furiose »Don’t Matter« legen ein irrwitziges Tempo vor – und wenn’s dann doch mal staatstragend wird, kommt eine Großtat wie »Beautiful War« dabei heraus, eine getragene, sich kontinuierlich steigernde Mondbeschwörung mit diesem einmaligen Heulen, wie nur Caleb Followill es beherrscht.

Ungefähr in der Mitte dieser Platte verebbt das Ganze dann ein bisschen. Das »Susie Q« belehnende »Family Tree« ist eine etwas zu routinierte Rock’n’Roll-Stilübung, »Tonight« ein Standard-KOL-Hymnus, wie wir ihn jetzt auch schon einige Male hatten. Danach wird’s mit dem bezaubernd verhallten Romantismus »Comeback Story« aber wieder interessant, »Coming Back Again« schließlich vereint Southern-Rock mit Post-Punk sowie – hier doch wieder! – The-Edge-Gitarren mit Oh-oh-ohs.

Immer noch haben die Kings Of Leon nicht die ganz großen Songs, die man irgendwann eben auch mal braucht, um unsterblich zu werden – und dass sie sich genau das wünschen, daran kann absolut kein Zweifel bestehen. Aber diese Art von Rock’n’Roll spielt keiner so wie sie. Mehr gibt es da nicht reinzudeuten, alles eins zu eins hier. Und wir haben sogar noch die billige Metaphernvorlage mit dem elektrischen Stier ausgelassen, man muss sich ja nicht von jedem gleich auf die Hörner nehmen lassen.

Jetzt weiter auf SPEX.de: Bill Callahan im Interview über sein ebenfalls heute erscheinendes Album Dream River.