JACKSON AND HIS COMPUTER BAND
GLOW
WARP / ROUGH TRADE – 30.08.2013

Warp Records befindet sich in einer Ära der Comebacks: Brian Eno schließt an alte Ambient-Stärken an, Autechre lassen wieder die Beatsplitter rattern, Boards Of Canada fahren die cleverste Promo-Masche der Saison auf (sorry, Daft Punk!) und mit Darkstar, Bibio sowie Mount Kimbie meldeten sich die Primi der Klasse von 2010/2011 zurück. Bevor der Archivverwalter Daniel Lopatin seine nächste Platte als Oneohtrix Point Never in die Diskurssuppe schmeißt, kündigt Jackson Fourgeaud alias Jackson And His Computer Band seine Rückkehr an.
Es ist das Comeback des vielleicht kontroversesten Warp-Künstlers. Nicht nur nahm Fourgeaud mit seinem 2005 erschienenen Debütalbum Smash und Tracks wie »Rock On« den Hype um die französische EdBanger-Clique vorweg, er überwand zugleich vorausschauend auch schon deren Stadionmentalität. Brachial konnte Fourgeaud sein, aber er legte immer ein gewisses Level an Smartness an den Tag. Jede Hook ein Schlag ins Gesicht, jede kitschige 70er-, 80er- oder 90er-Note wurde gewitzt und ohne Rührseligkeit abgefangen. Lange Zeit war nicht klar, ob der Franzose nun die Hoffnung für die stagnierende IDM-Szene bedeuten oder doch die Profanisierung der (vermeintlich so) intelligenten Tanzmusik mit sich bringen würde. Die Wahrheit liegt hier wohl nicht in der Mitte, sondern ist auf beiden Seiten angesiedelt. Die Mischung aus Après-Rave, Frickelfunk, Stadionkrach und French-House- Bombast zumindest kam an. Fourgeaud polarisierte, das war sein Kapital.
Nach dem streitlustigen Smash folgt nun acht Jahre später das wageunmutige Nachglühen: Glow heißt das zweite Album. Es knüpft nur noch vereinzelt an die French-Touch- und House-Schule an, setzt aber mehr denn je auf straightness. Fourgeaud schreibt jetzt Songs. Überproduzierte, pompöse Gassenhauer. Solche mit knarzenden Synthies, verwaschenen Synthies oder digitalpsychedelischen Synthies. Jeder Ton ist auf Hochglanz gefiltert. Die Smash einklammernden Sprach-Samples sind eingängigen Refrains gewichen. Die Palette reicht vom Stadion-Banger über Wiegenliedanleihen und Jean-Michel-Jarre-Gedenkharmonien bis zu verballerten Gabber-Ausfällen wie »Blood Bust«.
»Seal« nickt mit seinen subbassigen Trap-Reminiszenzen kurz in Richtung Zeitgeistigkeit, »G.I. Jane (Fill Me Up)« hangelt sich verzweifelt von Refrain zu Refrain, und das schluffige »Memory«, auf dem eine anscheinend wenig reuige Sängerin sich partout nicht an die verblichene Beziehung erinnern kann, verliert sich in Süffisanz. Die Ideen sind da, nur der idiosynkratische, alles zusammenhaltende Wahnsinn fehlt. Am besten funktionieren ausgerechnet die konventionelleren Tracks: Der Opener »Blow«, der perfekt die Diskrepanz zwischen den heruntergepitchten Strophen und dem Upbeat-Refrain ausspielt, oder aber das schunkelige »Dead Living Things«, an dem lediglich die Boards-Of-Canada-mäßige Pianomelodie wirklich quersteht.
Wo Smash durch seinen Hybridcharakter polarisieren konnte, lässt sich die von Glow formulierte Einladung zur Hassliebe am Ende doch allzu leicht ausschlagen.

Glow erscheint am Freitag. Weitere, ebenfalls von SPEX besprochene Veröffentlichungen dieser Woche: Füxa Dirty D, Kreator Dying Alive und Volcano Choir Repave.