Review: Haiku D'Etat Coup de Theatre

Ein Kauf mit Folgen: 1993 ließ ich mir von der SPEX »Innercity Griots«, Freestyle Fellowships Debütalbum, aufschwatzen. Einmal aufgelegt, schien mir die Zukunft aus den Boxen zu tönen. Stimmen! Was für Stimmen! Da rasselten die Styles nur so in meinen Ohren, ein Freestyle bis hin zu Scatausflügen und Gesangseinlagen. Die Musik offenbarte ein Füllhorn aus tighten, gleichwohl bekifften Rhythmen und neuen Ansätzen des Jazzcrossovers. Die Zukunft? Von wegen! Die war aber der Schwanz- und Knarren-Abgleich des HipHop-Ultra-Machotums, das Fellowship verschwand unbeachtet und wurstelte seinen Impuls mühsam durch den Underground.
In der Schmollecke bekam ich nicht mit, dass Fellowships Aceyalone zwei wahnwitzige Soloplatten veröffentlichte. 1999 jazzte er sich dann mit Mikah 9 und Abstract Rude zum Haiku D’Etat zusammen, ihr Debütalbum diente als Showcase zu Live-Beats in einer seltsam veränderten Landschaft. Fünf Jahre später kommt nun »Coup de Theatre« ? dichter, ineinander verdrehter und doch kompakter als sein Vorgänger. Beherzt zieht es eine Linie, die zu den Roots, und eine, die zu Eyedea & Abilities führt. Zusammengeführt und verknotet trägt die Verbindung den Tanz aus Flow in Jazz-Poetry, wenn es sein muss auch in Höchstgeschwindigkeit ? und reißt auch unter den mindestens zwei guten Ideen und der organischen Dichte eines jeden Tracks nicht.
Ab dem Intro ziehen die Sons of Cool in andere Sphären Richtung Mond, vorbei an »M-m-m-my Sharona«-Gestotter, hinein in feinste Vokalmodulationen. Dann eröffnet plötzlich ein rappender Cpt. Beefheart-Rap »Kats« und im folgenden »Dogs« legt ein Kastagnetten-Beat wachsame Spannung unter das slicke Spiel aus Assoziations-Bildern. So geht es weiter, innere Unruhe wird zur wunderbaren Gewissheit, eine Ausnahmeplatte zu hören.
Ein Statement im Erwachsenendilemma des HipHop, wo fast jeder Ansatz einer Sprechweise jenseits der Signifikanten testosteronbefeuerter Jungmännlichkeit im Abseits landet: »Integrity« wird da im »Poetry Takeover« gefordert, was meint: Jazz, andere Worte, andere Formen und Themen wie: Vergänglichkeit aus einer Perspektive des Erfahren-Habens, Draufsicht auf das innere Theater. Der Boden ist geschaffen, wer mag, darf dort pflanzen, um Gutes zu ernten.

LABEL: Decon / Project Blowed / bbe

VERTRIEB: RTD

VÖ: 06.12.2004

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