FÜXA
DIRTY D
ROCKET GIRL / ROUGH TRADE – 30.08.2013

Füxa kommen aus Detroit und gehören zum Suicide-Spacemen-3-Spiritualized-Flügel der Velvet Underground Appreciation Society, der warme Drone, gerne georgelt, ist ihr Fundament. Auf ihrem 2012er-Album gibt es eine Zeitlupenfassung von Suicides »Cheree«, dazu einen Song namens »Marty Suicide«, außerdem covern sie Daniel Johnston und »Our Lips Are Sealed« von den Go-Go’s respektive Fun Boy Three. Mit längeren Unterbrechungen existiert Füxa seit bald 20 Jahren als loses Bandprojekt mit häufig wechselnder Besetzung und Gästen, zusammengehalten von Randall Nieman, der neben Synths, Gitarren und Percussion auch ein Instrument mit dem angemessenen Namen Space spielt.
Space gibt’s jede Menge bei Füxa, auch für die unterschiedlichsten Gäste, die man kaum auf ein und derselben Party vermuten würde. BJ Cole erweitert den Space mit seiner Pedal Steel, es singt Suki Ewers von Mazzy Star, die für den Melo-Noir-Flügel der Velvet Underground Appreciation Society stehen. Vom Britfolk-Flügel der V.U.A.S. kommt Judy Dyble, 1967 (!) Vorgängerin von Sandy Denny bei Fairport Convention. Das Vielstimmige und Interkontinentale der frühen Velvets wird ja häufig unterschlagen, in John Cale und Nico hatten sie einen starken europäischen Anteil, das wissen Füxa ebenso zu würdigen wie die seltenen Gesangsauftritte der Stehschlagzeugerin Moe Tucker.
Ann Shenton von den Füxa-Freunden Add N to (X) gibt eine dynamische Version der jungen Tucker im Hit des Albums, der konsequenterweise vor den zerstörerischen Kräften der Strahlung warnt: »Come see the sun is shining, don’t let it burn your eyes in!« Da helfen Sonnenbrillen, auch after dark. Gut 40 Jahre nach »All Tomorrow’s Parties« feiert Moe Tucker, Mutter von fünf Kindern, inzwischen auch Großmutter, mit der Tea Party und warnt vor Obama, der Amerika in den Sozialismus führen und zerstören wird.
Schluss- und Höhepunkt des Albums ist ein Doppel-Cover, wieder in Zeitlupe: Randall Nieman gibt ein in Orgel & Steel gebettetes, introvertiertes »Stand By Me« und wird nahtlos abgelöst von Britta Phillips. Die bleibt im Bett und singt einen Evergreen des Space&Steel-Cowboys und ehemaligen Monkees Mike Nesmith, »Different Drum«, den einst Linda Ronstadt so hinreißend interpretierte wie später Evan Dando. Wie die beiden Songs da zu einem verschmelzen, das hat fast die Klasse von Anne Murray und Glen Campbell, die 1971 »I Say A Little Prayer« und »By The Time I Get To Phoenix« weniger zu einem Medley als zu einem Songdialog formten, sie tauschten die Zeilen im Ping-Pong-Modus. Bei Füxa folgt »Different Drum« auf »Stand By Me«. Als Ex-Mitglied von Luna (aus Galaxie 500 hervorgegangen) und eine Hälfte von Dean & Britta steht Britta Phillips für den Twee&Geek-Flügel der V.U.A.S. Ziemlich geflügelte Band, Füxa.

Dirty D erscheint am Freitag. Weitere, ebenfalls von SPEX besprochene Veröffentlichungen dieser Woche: Babyshambles Sequel to the Prequel, Kreator Dying Alive, Jackson and His Computer Band Glow und Volcano Choir Repave.