Review: Erik Friedlander Maldoror

New York. Little Annie ist zurück. Und mit ihr die analoge Hitze. Die Unschärfe, die ensteht, wenn Tape-Loops den Sound bestimmen. Es ist dunkel und verführerisch hier. Als hätte sich der alte Word Sound-Dub mit Sex statt mit Krankheit aufgeladen. Little Annie mittendrin, gefährlich langsam singend und rezitierend, fordert sie nicht viel ? nur absolute Hingabe: »Would you love me if it wasn’t exactly the right time and place to do such things?« Derjenige, den sie anspricht, sollte es riskieren, wie auch Annie was riskiert. Heutzutage, wo Dub klar und digital ist, elegant im Rhythmus und Sound schwingt, da kommt sie aus dem New Yorker New/No/Wave/Disco-Loch und ihre Slow-Mo-Poetry öffnet Dub wieder für Sex. Sex zwischen Menschen mit Hautunreinheiten an unvorteilhaften Körperstellen, mit leicht unangenehmen Gerüchen, weil sie erst eine Nacht durchschwitzen mussten, in fast atemluftfreien, heißen Räumen, bevor die Körper sich finden konnten. Annie und Legally Jammin‘ geben Dub seine analoge Unverschämtheit zurück, die er durch Adrian Sherwood bekam, als der noch nicht die völlige Kontrolle über seine Bandmaschinen hatte. Auf dieser Platte bitten Menschen darum, geliebt zu werden ? handfest und ohne Rücksicht ? und Annie formuliert diesen Wunsch mit ihrer dunklen, viel erlebten Stimme. Zusammen mit anderen viel erlebten Menschen wie Kid Congo Powers, Cem Oral a.k.a. Jammin‘ Unit und Legally Jammin‘, die diese schmutzige, billige New Yorker Elektro-Beat-Atmosphäre in Düsseldorf, Mexico City und eben New York beeindruckend konstruiert haben.

LABEL: Italic

VERTRIEB: Italic

VÖ: 24.10.2003

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.