Review: Die Heiterkeit Monterey

Die Heiterkeit Monterey
DIE HEITERKEIT

MONTEREY
STAATSAKT / ROUGH TRADE
ALBUM – 28.02.2014

Selbstironie, Tränen und Distanz: Die Heiterkeit strafen mit Monterey so manchen Lügen, sperrig und geschmeidig zugleich.

Um ehrlich zu sein, habe ich nicht daran geglaubt, dass es ein zweites Album von Die Heiterkeit geben würde, schon gar nicht so bald.

Der Hype um Herz aus Gold im Jahr 2012 schien zu groß, Intention und Haltung des Hamburger Trios zweifelhaft beziehungsweise undurchsichtig. Warum kennt man die nicht? Wo haben die früher gespielt? Und haben nicht vor Jahren schon die Lassie Singers und Tocotronic so geklungen? Ach, und dieser manierierte, blasierte Gesang!

Das war ungefähr die Situation bei mir – ziemlich fadenscheinige Skrupel, bei Licht betrachtet. Und jetzt dreht Die Heiterkeit allen Skeptikerinnen eine lange Nase, wobei man sich diese alberne Geste bei der Band mit dem ernst guckenden Smiley als Logo nicht recht vorstellen kann – aber das ist ja schon wieder so ein Vorurteil.

Monterey (Der Berg des Königs – welch ein Albumtitel!), produziert von Moses Schneider, beginnt mit einem Song, der Erwartungen und Unkenrufe lakonisch-elegant abfängt: »Jetzt haben wir uns wieder / In unserer Factory / Es wird ernst, wir singen neue Lieder.« Dazu macht sich Stella Sommer über sich selbst lustig und singt, noch dunkler und Nico’esker: »Hou-hou, hou-hou«.

Im Herbst 2013 erschien die EP Daddy’s Girl, auf der bereits die neue Schlagzeugerin Anna-Leena Lutz (Dessert Surprise, Half Girl) zu hören war, und es ließen sich leichte Modifizierungen ausmachen: Der Einzug jangelnder Gitarrensounds etwa, die ein bisschen in Richtung Joy Division/ New Order weisen und den »Vorwurf« des Dilettantismus, der sich immer als piefig und nutzlos erweist, Lügen strafen. Geblieben ist diese anziehend-unnahbare, entschleunigte Distanzhaltung im großen Referenzuniversum von La Rösinger bis Don Lowtzow in Text, Musik und Phrasierung.

Die Heiterkeit buhlt nicht um Aufmerksamkeit, weil sie die sowieso bekommt. Die Heiterkeit ist sperrig und geschmeidig zugleich.

Bassistin Rabea Erradi, Stella Sommer und Anna-Leena Lutz sind daddy’s girls und 200.000 Jahre alt, die Hauptfiguren auf Monterey sind Männer – von Cary Grant über Frühlingsjungen, denen man nicht in die Augen schauen kann, und zählt man »Robert Smith« von der EP mit, ist es noch einer mehr –, aber man kann sich die Musikerinnen nicht als schwärmende Pärchenwesen vorstellen. Ein mutmaßliches Liebeslied heißt bei Die Heiterkeit »Wässere mich« und handelt von Tränen. Das Prunkstück von Monterey dreht sich ebenfalls um einen Mann: »Kapitän« ist eine vergleichsweise schwungvolle Hommage an Bands wie Marine Girls und Young Marble Giants.

Die Heiterkeit erklärt sich nicht, Widersprüchlichkeit ist ihr Manifest. Melancholisch singen sie zum Schluss: »Du kommst mit Pauken und Trompeten / Die Heiterkeit ist hier gewesen.«

Weitere Alben, die am Freitag veröffentlicht werden: Neneh Cherry Blank Project, Beck Morning Phase, Laibach Spectre, Blood Red Shoes Blood Red Shoes.

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