Review: Destiny's Child Destiny Fulfilled

Wessen Schicksal erfüllt sich hier eigentlich? Und was für eines? Dass nach erfolgreichen Solokarrieren eine von kaum noch jemandem erwartete Neudefinition des etablierten Markennamens »Destiny’s Child« gemacht werden musste? Oder dass hier drei etablierte Künstlerinnen, die es eigentlich weder finanziell noch inspirationell nötig hätten, entspannt zusammenkommen, um noch mal zu zeigen, woher sie kommen? Die Vorabsingle »Lose My Breath« war zwiespältig: eine überaus amtliche Produktion und ein (im Rahmen der Top 10-Ambitionen, um die es hier geht) unglaublich krasser, hektischer Beat. Aber der Gesang, nicht wiedererkennbar. Gerade Kelly Rowland, eigentlich die markanteste Stimme der drei, ist kaum präsent. Hatten sie das Singen verlernt? Das Album zerstreut diesen Eindruck schnell. Auch die Befürchtung, dass Beyoncé als nachweislich dominanteste Persönlichkeit der Gruppe die Produktion an sich reißen und ihre Mitstreiterinnen zu Begleitpersonal degradieren könnte, hat sich nicht bestätigt. Eher als an Beyoncés Soloarbeit knüpft »Destiny Fulfilled« an DCs vorletztes Album »The Writing’s On The Wall« an. Bis auf die erwähnte Single bewegen sich die Stücke im mittleren Tempo, lassen viel Raum für Erzählung und Gesangsharmonien und geben sich produktionstechnisch nicht allzu futuristisch. Auch die Nähe der Protagonistinnen zum HipHop, die auf Beyoncés und Rowlands Solowerken deutlich wurde, hat eine eher untergeordnete Bedeutung. Und inhaltlich? Die bekannte, noch immer etwas prekäre Mischung aus meta-feministischen Unabhängigkeitserklärungen, Beziehungsdramen, Schlafzimmerepen und kapitalismusfreundlichem Bling Bling. All das hat den Effekt, dass sich hier einige exzellente Stücke tummeln, von denen sich aber keines als hitverdächtige nächste Singleauskopplung unmittelbar aufdrängen würde. In einem für R&B eher schwachen Jahr, in dem es zwischen dem neokonservativ biederen Retro-Soul einer Alicia Keys und den schwächelnden Neptunes nicht allzu viel Bemerkenswertes gab, ist das auf jeden Fall ein Highlight.

LABEL: Sony

VERTRIEB: Sony

VÖ: 15.11.2004

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