Wieder mal Kanada. Vancouver zur Abwechslung. Und wieder mal der musikalische Ableger eines Künstlerkollektivs. Der Name: Black Mountain Army. Klingt mehr nach Heilsarmee (inklusive Vollbartträger) als nach militärischer Formation. Dem Platteninfo zufolge arbeiten vier Fünftel der Band im Gesundheitswesen ihrer Heimatstadt: Drogen, Streetwork etc., kennt man, diese Geschichten. Ist nur am Rande wichtig. Ganz anders dagegen ihr Debüt, das in einer schönen Wortmalerei schon mal als »too Pop for Prog, too advanced for Rock« bezeichnet wurde: Ein Berg, nein, ein Gebirgsmassiv an Sound und Willen. An Moderne und Vergangenheit. Archaisch, gewaltig, majestätisch. Große Kulisse, erhabener Fernblick.

    Eine Platte zum Altwerden (im positiven Sinn), die Freeform-Jams genauso kennt wie die kerzengerade durchlaufende Bassdrum, Spacerock-Elektrogezirpe, hymnische Refrains oder VU-artiges Geschrammel. Vor allem aber verströmt sie viel von der Größe lange verschollener 70s-Heavyrock-Tradition von Black Sabbath über Blue Cheer bis hin zu – natürlich – Mountain: Rockkonzerte wie Gottesdienste, gemeinsame Bedröhnorgien mit Freunden vorm heimischen Plattenteller, fette Doppelalben in quietschbunten Faltcovern usw. – all die tollen bis ekligen Dinge, die längst in die hinteren Kapitel der Geschichtsbücher verdrängt erschienen und von Black Mountain wiederentdeckt/neuerfunden/neuinterpretiert werden, weil sich Geschichte oftmals wiederholt, in der Musik, im Zwischenmenschlichen, an der Börse oder (leider) in der Politik, wobei aber dank langjährigem MTV- bis CNN-Treatment nicht zu befürchten ist, dass zukünftig in schnöder Vietnam-Analogie in Dokus und Hollywood-Streifen US-Truppen zu Black Mountain-Klängen irakische Dörfer pulverisieren werden.

    Um es kurz zu machen: Ich glaube, es kann nicht schaden, sich wieder die Haare wachsen zu lassen.

LABEL: City Slang

VERTRIEB: RTD

VÖ: 29.08.2005