Review: Adem Takes

Der Künstler als Fan, das kann eine reizvolle Angelegenheit sein. Im Falle von Adem Ilhan, dem Multi-Instrumentalisten der britischen Postrock-Band Fridge, die er zusammen mit Kieran Hebden alias Four Tet betreibt, bekommt man eine Geschichte der Neunziger erzählt. Mit zwölf Coverversionen aus den Jahren 1991 bis 2001, eine Auswahl von Adems Lieblingssongs dieser Dekade, kartographiert er auf »Takes« seine musikalischen Einflüsse. Diese gehen zwar allesamt auf geschätzte Künstler zurück, sind aber etwas einseitig gewählt, stammen sie doch fast ausnahmslos von Rock- und Pop-Interpreten aus dem englischsprachigen Raum. Das hätte man angesichts der weitläufigen Anleihen bei Fridge, die sich von Krautrock bis Afrobeat erstrecken, sicher anders erwartet.

    Man hört Postrock-Vorlagen von Tortoise (»Gamera«), klassischen Alternative von The Breeders (»Invisible Man«), Breitwand-Rock der Smashing Pumpkins (wobei Adem glücklicherweise einen Song wählt, der noch nicht fürs Stadion geschrieben wurde: »Starla«), Laptop-Studien von Aphex Twin (»To Cure A Weakling Child / Boy Girl Song«), das Björk-Stück »Unravel« und so manches mehr.

    Da fragt man sich zunächst, wie der Neo-Folker Adem – als der er auf seinen ersten beiden Solowerken auftrat – ein vertracktes Drumpattern der Marke Tortoise oder gar die Maschinenmusik eines Richard D. James interpretiert. Die Antwort liegt auf der Hand: mit milder Vintage-Akustik und wilder Fingerpicking-Akrobatik. Hört sich komisch an, klingt jedoch ganz erstaunlich. An anderen Stellen fehlen solche Ambitionen aber, denn wo im Original nur Gitarre und Stimme sind, bleibt es bei einer bloßen Nachvollziehung des Stücks. Adem übersetzt die Vorlagen schlicht für’s Ein-Mann-Singer-Songwriter-Instrumentarium, er schmückt sie nicht etwa mit sanften Noises oder geschmackvollem Programming – eine seiner größten Stärken, die er vor allem bei seinem letzten Soloalbum »Love And Other Planets« vorführte. Die offenkundige Gemeinsamkeit aller Songs auf »Takes« sind nackte, aber zurückhaltende Vocals, warme Arrangements und eine karge Skizzenhaftigkeit. Dadurch verleiht Adem Stücken wie PJ Harveys »Oh My Lover« oder Yo La Tengos »Tears Are In Your Eyes« leider keinen erkennbaren Mehr-, oder besser: Anderswert, sondern steht eher für ihre respektvolle Musealisierung ein. Das ist keineswegs verwerflich, macht allerdings auch ein Kleinod der schaurigen Atmosphäre wie den Low-Song »Laser Beam« zur arglosen Volksweise.

LABEL: Domino Recording Co

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 16.05.2008

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.