Review: 13&God

Lange hat es im Kommunikationswald schon raunend gerauscht, die Zeichen standen auf eine neue Form von Underground-Supergroup, die kaum besser in die Entwicklungen der letzten Jahre passen könnte, auch wenn schlabbriges Indietum-Kleinbleiben und Do-It-Yourself-Praktizieren nach dem Comeback von coolen Rockposen und muskulösem Gangsta-Rap schon fast irgendwie was von Neunziger-Retro hat. Doch weg war das alles ja nie.
    Es geht um Anticons Themselves, also Dose One, Dax Pierson und Jel, in ihrer kaum besser auszudenkenden Kollabo mit The Notwist. Damit verbindet sich die Geschichte zweier sehr verschiedener Camps aus verschiedenen Kontinenten – zweier Bands, die immer im lokalen Umfeld aufgegangen sind, in selbst etablierten Strukturen, vielfachen Kollaborationen, kollektiven Netzwerken einer sensibel alternativen, a bisserl experimentellen, auf jeden Fall sympathischen kleinen Popmusikentwurfwelt. Deswegen wird schließlich auch hier hybridisiert und rollengetauscht noch und nöcher. Wer wie was produziert hat, ob Martin »Console« Gretschmann oder Jel, woher welcher Ton kommt und was hier überhaupt noch Autorenschaft für ein trotzdem überraschend geschlossenes Album bedeutet, überlasse ich anderen Rezensenten. Eingeladen wurden jedenfalls die fein auftrumpfenden Anticon-Kollegen The Pedestrian und Why?, Lali Punas Valerie Trebeljahr und Steffi Böhm von Ms. John Soda.
    Wie unspektakulär das Ergebnis geworden ist, lässt das eine Ohr etwas enttäuscht niedersinken, wenn es auf Spektakel hoffte. Das andere hingegen bleibt unbeeindruckt gespitzt, dem melancholischen Genuss dieser trotz alledem wunderbaren Werke frönend. Denn man hört irgendwie alles, was an diesen Bands bisher Sinn gemacht hat, das ist vielleicht zu vertraut, aber eben auch schön so: die quäkenden Raps zwischen gezupften Gitarren und zärtlich vibrierenden Flächen, das Consolesche Geplucker und die Tied & Tickled Trioschen-Jazzbläser, dazu der obligatorische Acher-Gesang, von dem ich lange müde war, der hier aber mal wieder trotzdem einfach nur passt.
    Deswegen gibt es hier wenig Überraschendes zu erzählen über dieses Sextett, nichts laut zu jubeln oder sensationalistisch zu berichten. Es gibt einfach eine sehr schöne Platte, die Marktschreier und Werbetexter immer als Herbstalbum beschreiben würden. Dass sie im Frühling herauskommt, erinnert uns daran, dass uns zu jeder Jahreszeit eine trauernde Träne über den Teint fließen kann. Und dass diese trotz aller Pein zu einem erfrischend nassen, beruhigenden, berührenden Streicheln erwachsen kann, vielleicht jedenfalls.

LABEL: Alien Transistor / Hausmusik

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 18.04.2005

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