Repräsentation & Medien

Jessy Lanza veröffentlichte »eine der interessantesten Elektro-Platten des Jahres« (SPON) – auch in den SPEX-Charts

2013 war in der Musik das Jahr der Frauen. Neue Künstlerinnen wurden ebenso goutiert wie das Netzwerk female:pressure. Doch wie sieht es mit der Repräsentation in den Medien aus? Wir haben nachgezählt, bei uns selbst.

»Frauen machen seit einiger Zeit interessantere Pop- und Rockmusik als Männer […]«, hieß es auf SPIEGEL Online im letzten Jahr, sowie: »Die interessantesten Elektro-Platten des Jahres 2013 stammen von Frauen […].« Laut Noisey ging auch die Kategorie Punk im letzten Jahr an »die Ladys«. De:bug stellte sogar eine ganze Ausgabe unter den Titel »Gendertrouble auf dem Dancefloor« – um dann in der nächsten Ausgabe genau gar keiner Musikerin einen Artikel außerhalb der Rezensionsstrecke zu widmen. In besagtem Heft fand sich allerdings auch ein Interview mit Electric Indigo über 15 Jahre female:pressure.

Das Netzwerk von elektronischen Musikerinnen bekam im letzten Jahr so viel Aufmerksamkeit wie nie zuvor, nachdem es eine Studie über Geschlechterrepräsentation auf Festivals und in Indie-Labeln publiziert hatte. Bei der Erhebung kam female:pressure auf lediglich 9,3% (rein) weibliche Acts gegenüber 82% männlichen und 8,7% gemischtgeschlechtlichen, die bei den zur Rate gezogenen 24 international renommierten Plattenfirmen veröffentlichen. Die Festival-Line-up-Auswertung für 2012 ergab den kaum erfreulicheren Anteil von 10.3% (gegenüber 81,7% bzw. 8,0%) – wobei bei beiden Statistiken bereits explizit weibliche Künstlerinnen unterstützende Labels und Festivals miteinbezogen wurden.

Die Sexismusdebatte hatte auch den Pop erreicht – und dieser reagierte auf seine Weise. Große Popstars entdeckten den Feminismus light als Marketingtool für sich, die Musikmagazine hingegen wollten die eingangs beschriebene Zeitenwende ausgemacht haben. Nicht selten wirkte das dann aber eher wie der nächste Hype statt einer tatsächlichen und konsequenten Entwicklung. Gerne wurde auch die eigene Verantwortung ausgespart. Schließlich treten Medien ebenso wie Label- und Festivalleitungen als Selektoren auf. Wie geht es also im neuen Jahr weiter? Zumal ja nicht der vereinzelte Themenschwerpunkt, sondern die konkrete, langfristige Praxis eine Veränderung bewirkt.

Womit wir bei dieser Webseite angelangt wären. Was passiert, wenn der female:pressure auch auf SPEX.de angewandt wird?

Das sagt zwar noch nichts darüber aus, welche Inhalte dabei protegiert werden und wer wie über die einzelnen Acts geschrieben wird, aber wir haben dennoch für das letzte Quartal nachgezählt. Als Anstoß auch für uns selbst. Das Ergebnis:

Zwischen dem 1. Oktober und dem 31. Dezember 2013 haben wir auf SPEX.de Artikel über insgesamt 142 Acts* veröffentlicht. 94 davon waren Männer bzw. rein männliche Bands (66,2% der vertretenen Acts), 33 Frauen bzw. rein weibliche Bands (23,2%) und 15 gemischtgeschlechtlich besetzte Bands (10,6%). Wenn wir auf die einzelnen Widmungen schauen, er gibt sich ein (leicht) verändertes Bild: 128-mal standen männliche Musiker im Fokus (63,4% aller Erwähnungen), 51-mal weibliche (25,2%) und 23-mal die gemischtgeschlechtlichen Bands (11,4%).

Das mag besser als die für Labels und Festivals ermittelten Zahlen sein, zeigt letztendlich aber dennoch eine starke Unterrepräsentation, an der wir arbeiten wollen. Für 2014 liegen wir aktuell bei 30,8% aller Artikel, in denen die Musik von Frauen im Fokus stand. Auch das geht deutlich besser. Wir sind dran.

female:pressure veranstaltet heute Abend im ://about:blank, Berlin, die Fortsetzung seines Perspectives Festivals mit DJ Marcelle, Aschka, Donna Maya, Kaltès, Madeleine Bloom, Kat Kat Tat, Lotic, Rona Geffen, Sick Girls, Stellar OM Source und Vinilette.

*Die Erhebung basiert ausschließlich auf den Artikeln im Bereich Musik. Film, Kunst etc. wurden ausgeschlossen, ebenso Vorankündigungen zu Festivals oder größeren Veranstaltungen mit mehreren Künstlern. Bei Kollaborationen wurden die einzelnen Acts einzeln gezählt.

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