»Repräsentation ist immer noch wichtig« / Berlin Feminist Film Week

Morgen startet die dritte Berlin Feminist Film Week. Vom 8. bis 14. März werden in verschiedenen Berliner Kinos Kurz- und Spielfilme gezeigt. Im Mittelpunkt: Filmemacherinnen, Schauspielerinnen und die Body-Positive-Bewegung. SPEX traf Gründerin Karin Fornander zum Gespräch.

Mit seiner dritten Auflage expandiert die Berlin Feminist Film Week. 24 Filme an sieben Tagen in fünf verschiedenen Kinos, dazu eine Party, diverse Talks und eine Ausstellung. Angefangen hat aber alles mit einem Zufall. Für feministische Interessen hatte sich Karin Fornander schon länger stark gemacht, und beim Zusammensitzen mit den befreundeten Betreibern des Mobile Kino, einer Berliner Kinogruppe ohne festes Lichtspielhaus, kam irgendwann im Jahr 2013 die Idee auf, die zwei Herzensangelegenheiten zu verbinden. 2014 rief Fornander das Festival gemeinsam mit ihrer Partnerin Lucia Martin ins Leben.

»Der Film ist ein gutes Medium für das Thema Feminismus. Mit ihm erreicht man auch Menschen, die nicht unbedingt in einer feministischen Bewegung aktiv sind. Der Zugang zum Thema ist relativ leicht.« Weil ein Kinobesuch intellektuelle bis ästhetische Auseinandersetzungen ermöglicht, bietet eine Filmreihe die Chance, ein größeres Publikum anzusprechen als eine reine Diskussionsveranstaltung. Die findet in der Festivalwoche aber auch statt. Neben den Screenings lädt das Festival in diesem Jahr zu einem Talk über das Body Positive Movement, Fat Activism und Körperideale.

Berlin_Femninist_Film_Week

Das Poster (erhältlich in drei verschiedenen (Haut-)Farben wurde von Sharmila Banerjee gestaltet.

Finanziert wird das Festival ausschließlich aus den Ticketeinnahmen. Schon seit November widmen sich die beiden Gründerinnen neben ihren Vollzeit-Jobs der Organisation und der Sichtung der Einreichungen. Bei der Auswahl der etwa 250 eingereichten Filme sind für Fornander drei Merkmale ausschlaggebend: »Wir möchten vor allem Filmemacherinnen eine Plattform bieten. Ein Film sollte außerdem Frauen in Hauptrollen zeigen oder irgendeinen feministischen Aspekt aufgreifen. Zum Beispiel, indem er die feministische Bewegung thematisiert, indem er Frauen anders darstellt als ein klassischer Spielfilm oder indem er andere Geschlechtsidentitäten zeigt. Wir versuchen außerdem, Filme zu finden, in denen nicht nur weiße Schauspielerinnen zu sehen sind, um einen guten Mix zu zeigen. Repräsentation ist immer noch wichtig.«

Bevor im Mainstream-Kino nicht-weiße nicht-Männer gleichberechtigt hinter der Kamera aktiv, auf der Leinwand zu sehen und mit Filmpreisen ausgezeichnet werden, sieht sich Fornander auch in der Verantwortung, gängige Klischee-Vorstellungen offenzulegen. Ein Lieblingsfilm im aktuellen Programm ist deshalb Under Construction von der Regisseurin Rubaiyat Hossain aus Bangladesh. »Als Frau, die Filme macht, ist sie dort eine große Ausnahme. Sie versucht, die Bollywood-Klischees in ihrem Film zu hinterfragen und etwas anderes zu zeigen als die Armutsgeschichten, die man von Filmen aus Südasien vielleicht erwartet. Bei ihr geht es um eine muslimische Frau aus der Mittelschicht, die Schauspielerin werden möchte.« Der Film feiert auf dem Festival in Anwesenheit der Regisseurin seine Deutschland-Premiere.

Berlin Feminist Film Week
8. – 14.03. Berlin – Diverse Locations
Zum kompletten Programm geht es hier.

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