Relaxed Muscle

Wenn man in der Google-Bildsuche »Relaxed Muscle« eingibt, erhält man interessante Ergebnisse. Am schönsten sind die, die sich mit Körperlichkeit befassen. Da lernt man »Move Through Your Day In A Pain-Free Way« und liest von ganzheitlichem Wohlgefühl durch Balance und richtiger Haltung.
Die Haltung von Relaxed Muscle erscheint relativ eindeutig. Darren Spooner und Jason Buckle sehen auf dem Promofoto aus, wie jüngst mit schneidiger Kurzhaarfrisur und fescher Schenkelbürste auf der Oberlippe einem »Frankie Goes To Hollywood«-Video entsprungen. Wenn man beide Ohren einigermaßen feste zudrückt, könnte in etwa auch die Musik hinkommen, gesetzt den Fall, Marilyn Manson würde ab und an geräuschvoll durchs Bild laufen, A.R.E. Weapons die Mietmusiker geben und Alan Vega Regie führen. Eine wirkliche Balance wird dennoch nicht erreicht, da ein Kessel Buntes hier gerne auch mal zu einem Pott Püree wird.
    Und leider haben andere, allen voran die oben genannten, das, was Relaxed Muscle auf »A Heavy Night With…« versuchen, schon pointierter, mitreißender, kompromissloser, origineller, eben insgesamt einfach besser gemacht. Während die erste Single noch als einigermaßen amüsanter und durchaus cleverer Scherz daher kam und die zweite sich nicht nur kurzweilig, sondern sogar tanzbar gebärdete, klingt der Vollzeit-Tonträger ein wenig unausgegoren. Beinahe so, als wollte man, bevor wirklich jeder weiß, wer hinter der Musik steht, noch schnell ein Album veröffentlichen. Und was gibt es tragischeres als einen Witz, dessen Pointe vorweggenommen wurde. Dass diese Tarnung sich nicht lange aufrecht hält, war nicht nur aufgrund der unverkennbaren Stimme, sondern noch eher ob der Tatsache, dass Relaxed Muscle, wenn auch verkleidet, Konzerte spielen sowieso klar, da hätte man sich auch locker noch ein paar Momente mehr für die Produktion gönnen können.

    Doch am Ende bezieht »A Heavy Night With…« seinen Reiz vor allem durch die recht unbekümmerte Herangehensweise an die Musik, gerade im Gegensatz zum opulenten Perfektionismus von Darren Spooners… tatataa, jetzt ist es raus – aka Jarvis Cockers Ex-Band Pulp. Obwohl es sicherlich kein Album für Pulpveteranen ist. Nicht einmal der Vollständigkeit halber. Aber so gelöst und energetisch (immerhin!) Herr Cocker sein Alter Ego auslebt und diesen einmal begonnenen Schabernack konsequent bis zum bitteren Ende durchzieht, in dem er z.B. nur Interviews gibt, in denen er ausdrücklich als Darren Spooner behandelt werden will, wissen Relaxed Muscle – schraubt man den eigenen Anspruch auf ein angemessenes Unterhaltungs-Niveau herunter – gut und gerne mal aus der Hüfte heraus zu amüsieren. Zudem braucht es nur 17 Muskeln für ein Lächeln, aber 72 für ein Stirnrunzeln. Relax muscles.

LABEL: Rough Trade Records

VERTRIEB: Zomba

VÖ: 01.01.1970

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