Reeperbahnfestival 2009


Foto: Tup Wanders / Flickr | CC

Ein urbanes Musikfestival versuchten bereits viele Veranstalter ins Leben zu rufen, die wenigsten wurden dabei aber wohl dem eigenen Anspruch gerecht: Urbanität lässt sich nicht mit Stellwänden, Postern und einer übergeordneten Werbe-Kampagne erzeugen, sie muss vor Ort existieren. Im Falle des Reeperbahnfestivals lässt sich festhalten, dass hier Anspruch und Authentizität perfekte Bande eingehen.

    Dabei mag der Kiez der Hamburger Reeperbahn zwar längst nicht mehr den ruchlosen Geist früherer Tage tragen und sich langsam Richtung Schickeria und Junggesellenabschieds-Absturzstelle entwickeln, aber all dies tut dem oft schäbigen, ranzigen und interessanten Stadtbild keinen Abbruch. In seinem vierten Jahr zeigt sich das Reeperbahnfestival inhaltlich umfangreich, geschmacklich sicher und passend zum Veranstaltungsort aufgestellt.

    Schon am morgigen Eröffnungsabend kann man sich von herrlich kantig-ruppigen Indie-Bands bespaßen lassen. Im Molotow spielen die Glasgower Dananananaykroyd, gleich gefolgt von der von Spex präsentierten kalifornischen 60s-Surf-Nostalgia-Band Girls. Zwei Straßen weiter tritt zeitgleich King Khan mit seinen Shrines im D-Club auf, wo auch später am Abend Dinosaur Jr. die Amps aufdrehen werden. Dazwischen bieten sich Besuche bei Fleet-Foxes-Sänger J. Tillman und dem Twee-Pop-Trio Au Revoir Simone im Imperial Theater an, zum Abschluss des Abends spielen außerdem Jazzanova im Schmidts Tivoli.

    Freitags kann man gleich zweimal einen der – versprochen – Hype-Acts des kommenden Jahres sehen: Janelle Monáe spielt ihren an OutKast und Ebony Bones geschulten Pop sowohl im D-Club als auch im Grünspan. Weitere Highlights des Tages sind Masha Qrella (Angie’s Nightclub), die brachial-knüppelnden Times New Viking sowie die belgischen The Hickey Underworld (beide im Kaiserkeller), Das Pop und WhoMadeWho (Uebel & Gefährlich), sowie natürlich das Heimspiel von Niels Frevert auf dem Heiligengeistfeld.

    Der Samstag stellt das wohl größte Problem dar, denn nicht nur dürften Abends Unmengen an Menschen auf der Reeperbahn unterwegs sein, das Programm des Festivals ist an seinem Tag auch am vielfältigsten, reichhaltigsten und besten. Das führt zwangsläufig zu deutlichen Überschneidungen, denn würde man Michael J. Sheehy & The Hired Mourners (Angie’s Nightclub), Friska Viljor und die Editors (D-Club), Norman Palm (Grüner Jäger), Simone White (Grünspan), Kante (Große Freiheit 36), The Asteroids Galaxy Tour (Knust), José González (Heiligengeistfeld) oder Kreidler (Uebel & Gefährlich) sehen wollen, so müsste man sich schon teilen können. Besser wäre es da fast, den gesamten Samstag in den Fliegenden Bauten zu verbringen, dort spielen nämlich gleich drei ausgezeichnete Acts: Sophia, Óalfur Arnalds und Phantom/Ghost ihr Konzerte.

    Wer nun nach all dieser allabendlichen Musik-Bespaßung noch Luft zum atmen hat, der wird im Rahmenprogramm des Reeperbahnfestivals bedient: Die nette Musiker-Schuh-Fotografie-Ausstellung »Dancing Shoes« sieht man in der Makrele, die Vernissage »Flatstock Expanded« zeigt in der Galerie auf Halb Acht Werkstücke aus dem popkulturellen Siebdruck, das von Spex präsentierte UNERHÖRT!-Musikfilmfestival präsentiert ausgewählte Filme auf dem Spielbudenplatz und im Rahmen der an das Reeperbahnfestival angeschlossenen Messe- bzw. Branchenveranstaltung Reeperbahn Campus interviewt MTV-Moderatoren-Urgestein Ray Cokes die ein oder andere Band.

    Tages- und Festival-Tickets für das Reeperbahnfestival sind auch noch an den Veranstaltungstagen erhältlich, nur gilt auch in Hamburg dasselbe Gesetz wie bei allen anderen Clubfestivals: First come, first serve – Sind die einzelnen Clubs erst einmal gefüllt, kommt man so schnell auch nicht rein, ein frühes Eintreffen bei den Festival-Highlights bietet sich also an.

Reeperbahnfestival 2009:
24.-26.09. Hamburg – Diverse Locations
mit Dananananaykroyd, Girls, The Asteroids Galaxy Tour, José González, Kreidler, Sophia, Óalfur Arnalds, Phantom/Ghost, Dinosaur Jr., Kante, Simone White, Editors, Friska Viljor, Michael J. Sheehy & The Hired Mourners, Masha Qrella, WhoMadeWho, Egotronic, Times New Viking, Das Pop, The Hickey Underworld, Janelle Monáe, Niels Frevert,  Au Revoir Simone, Jazzanova, King Khan & His Shrines, J. Tillman, Ikaria, Björn Kleinhenz, Future Of The Left, Siva., Emiliana Torrini, ClickClickDecker, Golden Kanine, The Dance Inc., Deichkeind, Sport, The Cinematics, Dear Reader, White Rose Movement, Oh No Ono, Die! Die! Die!, Dark Captain Light Captain, Kap Bambino, u.v.a.

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