Redaktionscharts 2008: Songs

Die wichtigsten Alben des Jahres 2008 aus Sicht der Spex-Redaktion, kompiliert und kommentiert von Max Dax, Martin Hossbach, Jan Kedves, Walter Wacht und Wibke Wetzker.

Spex-Jahrescharts 2008 Alben

01) F. S. K. »Nokturn« (Buback / Indigo)
Der endgültige Track; das Alte und das Neue durchdringend, die Moderne erinnernd und die Zukunft umarmend

02) SAM TAYLOR-WOOD »I’m in Love With a German Film Star« (Kompakt)
Taylor-Woods Kollaboration mit den Pet Shop Boys markiert schwelgend die gelungenste ihrer drei Zusammenarbeiten

03) PORTISHEAD »Machine Gun« (Island / Universal)
Stimme aus der Vergangenheit, Maschinensounds und Monotonie – eine willkommene Rückkehr der dritten Art

04) HERCULES AND LOVE AFFAIR »Blind« (DFA / EMI)
Die Wiedergeburt der Hi-NRG-Legende Sylvester: Antonys Falsett auf glamourösem Disco-Bett, eine der einleuchtendsten Paarungen 2008

05) JA, PANIK »Ich bringe mich in Form« (Schoenwetter / Broken Silence)
Andreas Spechtl cuttet Burroughs, Falco und Dylan zu einem literarisch-kickenden Überwältigungsmoment

06) LITTLE BOOTS »Stuck on Repeat« (I Am Sound)
Ein einziger Loop aus der Teufelsmaschine Tenori-On, unterstrichen von Schellenklang und blubberndem Synthie-Hook

07) THE KILLS »U. R. A. Fever« (Domino / Indigo)
Der Beat schleppt Destruktion und Delirium mit sich und verursacht die schönste musikalische Paranoia des Jahres

08) SNOOP DOGG »Sensual Seduction« (Interscope / Universal)
Humor hat er: Snoop preist sich im Autotune-Modus zu schmierigem Electro-R’n’B als bestangezogener Dandy-Pimp

09) GRACE JONES »Corporate Cannibal« (Wall of Sound / PIAS / RTD)
Wiederkehr als alien-gemorphte »men eating machine« – hypnotisch, aber alles andere als beruhigend in der Wirkung

10) DJ MUJAVA »Township Funk« (Warp / RTD)
Pretorias Mujava kanalisiert Warps Sound aus den frühen Neunzigern und landet über Nacht einen kleinen Globaltechno-Hit

Divider

11) TV ON THE RADIO »Red Dress« (4AD / Beggars / Indigo)
Da kann Bloc Party sich mal abhören, wie man heutzutage im Indierock den Spannungsbogen mit Funk und Bläsersätzen hält

12) BEYONCÉ »Single Ladies (Put a Ring on it)« (SonyBMG)
Harmoniegesang in Dur, keine Bassline, Trance-Attacken, mechanisches Klatsch-Klatsch: Beyoncé wird zur heißen Roboter-Queen

13) JOHN MAUS »Rights for Gays« (Upset! The Rhythm / Southern)
Dieser irre Prankster-Discomaus mit dunklem Timbre macht uns Angst: verstörend-treibender Borderline-Pop

14) HOT CHIP »Ready for the Floor« (DFA / EMI)
»Do it, do it, do it, do it now!«, fordert Alexis Taylor energisch in diesem angepoppten und extrem schweißtreibenden House-Monster

15) LIL’ WAYNE »Dr. Carter« (Universal)
»Hi sweetie, where’s my coffee?« – Dr. Carter beschreibt seinen Alltag im Krankenhaus und rettet Rappern in Notoperationen die Karriere

16) LEILA FEAT. KHEMAHL AND THAON RICHARDSON »Little Acorns« (Warp / RTD)
1.000 hüpfende ›kleine Eicheln‹ in Leilas Comeback-Hit: Neckischer Breakbeat mit Toasting und Plastiktröten

17) RUMMELSNUFF »Ringen« (ZickZack / Indigo)
Schwul, Skin, Schwergewicht: Rummelsnuff packt Brachialsound und derbe Männererotik zusammen auf die Matte – nackt!

18) NIELS FREVERT »Niendorfer Gehege« (Tapete / Indigo)
Meisterhaft arrangierte Streicher in Moll untermalen die Rückkehr genauer Betrachtungen in das deutschsprachige Lied

19) BRITNEY SPEARS »Womanizer« (Zomba / SonyBMG)
Der dümmste Text zu flottestem Sounddesign – Zoink, plopp, brääh: Noch technoider kann Bubblegum-Pop nicht werden

20) THE LAST SHADOW PUPPETS »The Age of …« (Domino / Indigo)
Im Musikvideo huldigen sie dem russischen Empire, musikalisch verneigen sich Alexis Turner und Miles Kane vor Scott Walker

Divider

21) BONAPARTE »Too Much« (Staatsakt / Indigo)
Wahl-Berliner Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom in einer Vertonung als Abzählreim für Indie-Intellektuelle

22) MGMT »Electric Feel« (Red Ink / Columbia / SonyBMG)
Das Hippietum neuester Generation feiert Naturverbundenheit mit psychosakralem Rock in der 6/4-Takt-Disco

23) THE VERY BEST »Kamphopo« (www.myspace.com/theverybestmyspace)
Electropop, Steeldrums, malawische Harmonien: Esau Mwamwaya und Radioclit entern den Malawi Tropical Transit

24) ALEXANDER TUCKER »Veins to the Sky« (ATP / RTD)
Ein Mann, ein Cello und ein paar Loop-Werkzeuge: Eine Engelsstimme schwebt hoch über einem pastoralen Drone-Folk-See

25) SANTOGOLD »Creator« (Lizard King / RTD)
Santi White, nach M.I.A die neue Muse von Produktionstalent Dave »Switch« Taylor: tribalistischer Soundtrack zum Leben in der Metropolis

26) THE FALL »Alton Towers« (Sanctuary / Universal)
Mit fünfzig Jahren, ja da wird das Leben jazziger und schräger: Mark E. Smith knurrt in Dissonanz, Fluxus und Textimprovisation

27) JAZZANOVA »Let Me Show Ya« (Verve / Universal)
Berliner Surprise: Jazzanova stoppen ihre Remixfabrik und schalten um auf grunderneuerten Seventies-Soul

28) RACHEL UNTHANK & THE WINTERSET »Sea Song« (Rabble Rouser / Broken Silence)
Unglaublich deepe, Talk-Talk-artige Folkballade über ein walähnliches Meerwesen

29) COLDPLAY »Viva La Vida« (Parlophone / EMI)
Songs schreiben können sie, auch wenn man sich einem die Fußnägel hochbiegen: Chris Martin und Co. mit einer weiteren Weltumarmungshymne

30) ROOTS MANUVA »Buff Nuff« (Big Dada / RTD)
Ein mächtiger Dancehall-Knaller des englischen Über-MCs, vollgestopft mit billigen Anmachsprüchen. Spaß muss sein!

Divider

31) FUTURE ISLANDS »Old Friend« (Upset! The Rhythm / Southern)
Melancholie und Hektik, Kakophonie und Synthesizer: hier gibt es nur einen schmalen Grat zwischen Resignation und Trotz

32) ESTELLE FEAT. KANYE WEST »American Boy« (Warner)
»Take me to New York, I’d love to see L.A.«, flötet Estelle mit rauchiger R’n’B-Stimme. Kreditkarte raus, Kanye!

33) THE MATTHEW HERBERT BIG BAND »The Story« (!K7 / Al!ve)
Bigband-Jazz, und dank der Fistelstimme von Eska doch ganz nah an Prince’ Meisterwerk »Parade« aus dem Jahr 1986

34) SQUAREPUSHER »Star Time 2« (Warp / RTD)
Flott dahingejazzter Breakbeat hält den Soundtrack einer französischen Teeny-Komödie der Achtziger als Geisel

35) GONZALES »Let’s Ride (Megamix)« (Universal)
Peaches, Feist, Jarvis Cocker und Co. – Gonzales stellt für das Remix seiner »Roadtrippin’«-Single ein Star-Ensemble auf

36) MATIAS AGUAYO »Minimal« (DJ Koze Remix) (Kompakt)
Das politischste Statement des Jahres in Sachen Tanzmusik. Dank Koze funktioniert Minimal-Bashing nun auch in funky

37) KEANE »Better than This« (Island / Universal)
Wer hätte gedacht, dass man mal David Bowie im zackigen Pathos-Pop von Keane entdeckt

38) KHAN OF FINLAND »Walking in the Rain« (I’m Single / Kompakt)
Sexy treibendes, ungemein atmosphärisches Remake des Flash in the Pan/Grace Jones-Hits

39) RUSTIE »Zig Zag« (Wireblock)
Eine Ode an den Sägezahn, in Dubstep-Form gebracht unter Anwendung des Prinzips: scheppern, bremsen, Vollgas geben. Hammer!

40) MARK STEWART »Strange Cargo« (Crippled Dick Hot Wax / SPV)
Superhart gecuttete, fies echo-verhallte Mid-Tempo Reggae-Protest-Nummer über Bristols Vergangenheit als Sklavenumschlagsplatz

Divider

41) EL PERRO DEL MAR »Glory to the World« (Memphis Industries / Coop)
Die vernachlässigte Blockflöte sucht Trost im gemeinsamen Gospel mit der Hammondorgel, Ergebnis = Ergriffenheit

42) SPANK ROCK »Loose« (Downtown / Coop / Universal)
Der Beat erinnert an »Rockstar« von N.E.R.D., Spank Rock bieten allerdings statt Säusel-Rap derben Straight Talk an

43) THE B-52’S »Funplex« (Astralwerks / EMI)
Amoklauf in der Shopping Mall: Die Wiederkehr der Punkpop-Legende trällerte angenehm unverkrampft und zugleich explizit konsumkritisch

44) MAX MÜLLER »Frauenkrieg« (Angelika Köhlermann / Broken Silence)
»Für eine bessere Welt, in der die Frauen die Kriege alleine führen (…) und die Männer überhaupt nichts tun müssen«

45) NEON NEON FEAT. KATE LE BON »I Lust U« (Lex / RTD)
Super-Furry-Animals-Sänger Gruff Rhys im sexy Slowmotion-Discoduett mit Kate Le Bon, die übrigens nicht mit Simon verwandt ist

46) SOUNDSTREAM »›Live Goes On« (Soundstream / Hard Wax)
Soundstream, Berliner Meister des popinformierten Techno-Epos, fesselt über schlaue Mikroverschiebungen in jedem Moment

47) BEACH HOUSE »Gila« (Bella Union / Coop / Universal)
Zwei Amerikaner ertränken Schwermut in Prozac und lassen die Schwermut in Glanz und Gloria wieder auferstehen: schwermütig!

48) CLARK »Hot May Slides« (Warp / RTD)
Dieser Track beulte das Spex-Redaktions-Loft 2008 mehrfach von innen aus und ist zugleich der perfekte Soundscape für triste U-Bahn-Fahrten

49) CAMILLE »Gospel with No Lord« (EMI)
Die Sängerin von Nouvelle Vague konzentriert hier ihre Talente als Vokalistin in einer ausdrucksstarken Stimmcollage

50) PETERLICHT »Marketing« (Motor / Edel)
Abfackeln, abreißen, abtreiben, ausknipsen, ausradieren – die täglich neue Variante der Vernichtung von A bis Z

Divider

Weitere Texte zum Jahresrückblick 2008 folgen an dieser Stelle.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.