Red Hot Chili Peppers »The Getaway« / Review

Fazit vorab: Zu viele Köche, zu viel Brei.

Eine absurde Unterscheidung, die auch gestandenen Musikerklärern schwerfällt: »Pop« und »Rock«. Ist Pop tradiertes Songformat? 4/4? Alles in Dur? Harmoniezwang? Oder die Flächen, das Glutamat, das Coldplay? Für die Red Hot Chili Peppers gab es diese Fragen bislang nicht. Eine saubere Rockband, kalifornische Sportlichkeit, frei von Schleim. Die kulturell staatstragende Ablösung der Beach Boys, musikhistorisch zweimal bemerkenswert – als weiße Zöglinge von George Clinton und langjährigste Jugendkulturverlängerung von Rick »Jabba The Hut« Rubin. Mit Blood Sugar Sex Magik eine Zäsur gesetzt, mit Stadium Arcadium alles, was zu sagen war, extrapoliert und in die Vitrine gestellt. Danach war das ungleiche Komikerduo mit dem schluffigen Drummer und den wechselnden Gitarristen endgültig in der absurden Welt der Stones, von AC/DC und Metallica (ebenfalls saubere Rockbands) angekommen. Das fiel ihnen selbst auf und zog Recherchen nach sich. Wie macht das zum Beispiel Damon Albarn so?

Niedlich! Gorillaz!

The Getaway (deutscher Titel: Ich bin dann mal weg) ist tatsächlich ein großer Schritt. Danger Mouse und Radioheads Hausproduzent Nigel Godrich ersetzen Rick Rubin, und das Cover präsentiert neue Charaktere – Chad Smith als amtlicher Braunbär, Anthony Kiedis als cool daneben spazierendes Mädchen mit Blümchenkleid und schweren Boots, Flea als voranspackender Waschbär, und die aktuelle Gitarrenvariable Josh Klinghoffer als unbeteiligter Vogel auf einer Parkstrebe. Niedlich! Gorillaz!

Jedoch: Welche Probleme Midlife-Rocker mit einer Pop-Neugeburt haben, lässt sich nicht nur am letzten Song »Dreams Of A Samurai« abhören. Selten wurde aus dem ewigen funky Groove heraus so verzweifelt ein Stadion-tauglicher Refrain gesucht. Drei Anläufe, immer wieder gescheitert. Zu viele Köche, zu viel Brei. Ansonsten Yin und Yang: fünf der 13 Stücke auf The Getaway klingen dank neuer Instrumente, Sounds und Effekte frisch und interessant. Was dann doch wieder an die abgewichst-durchdesignte Endlosschleife Stadium Arcadium erinnert. Auf die Hälfte gekürzt wäre auch dort alles gut gewesen.

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