Raus aus der Konsumentenecke

Nur ein soziales Netzwerk? Das deutsche Start-Up Hobnox setzt nicht nur auf Streaming von Musik oder Video – sondern bietet seinen Usern bald professionelle Produktionsbedingungen. Am 01. März beginnt die Beta-Testphase und Großes darf erwartet werden.

Hobnox
Hobnox Evolution Contest: Noch ist die Webseite im Layout des Nachwuchswettbewerbs gehalten. Im März wird Hobnox.com neue Facetten offenbaren.

Das Grauen zeigt sich bei 314 Kbit pro Sekunde. Es ist wahrscheinlich dem Status des Pioniers geschuldet, dass YouTube – seit langem Marktführer in Sachen Online-Video – seine Nutzer trotz mangelhafter Bild- und Tonqualität nicht nur halten kann, sondern das Angebot mit einer unglaublichen Anzahl an Userseitigen Uploads noch weiter ausgebaut wird. Ähnlich wie MySpace hat sich das seit dem vergangenen Jahr zum Google-Portfolio gehörende Unternehmen trotz qualitativer Nachteile zum Standard entwickelt, der Umfang des Community-Portals wurde seitdem von zahlreichen anderen Start-Ups geklont.

Asyl
Yousef Hammoudah: »Den Kreativen ein umfangreiches, qualitatives Online-Angebot zu bieten ist ein wichtiger Schritt für die Videoproduktion der Zukunft.«
    »Die Lücke zwischen Community und Redaktion zu schließen, darin liegt die eigentliche Herausforderung.« Yousef Hammoudah, Programm- und Marketingleiter von Hobnox, wirkt optimistisch. Mitte vergangenen Jahres startete das deutsch-amerikanische Unternehmen sein Angebot, der Musikkanal Sly-Fi.com produzierte seitdem kontinuierlich Künstler-Portraits, Konzert-Mitschnitte und Videokolumnen der Redaktion: kostenlos, qualitativ hochwertig, aufwendig, kreativ. Der User – das wurde schnell deutlich – blieb zunächst in seiner Rolle als Konsument. Noch!

    Ende letzten Jahres begannen die ersten Weichenstellungen: Der »Hobnox Evolution Contest« lockte Musiker, Nachwuchsregisseure und Street-Artists an, die Community dampfte das Teilnehmerfeld schließlich auf drei Finalisten je Kategorie herunter. Nun werden im Rahmen des Hobnox Festivals 25.000 Euro Fördergelder pro Kategorie ausgeschüttet – und die Chancen, die Künstler auch über das Ende des Wettbewerbs an die Plattform binden zu können, stehen gut.

    Anfang März startet Hobnox mitsamt seiner vier redaktionell betreuten Videokanäle die ›Private Beta Phase‹: die Nutzer mögen das gesamte Angebot nutzen, testen, kritisieren. Schon bald dürften sich dann deutliche Unterschiede zu anderen sozialen Netzwerken bemerkbar machen: es soll nicht weniger als die Neuformulierung der Medienproduktion sein. »Ein wichtiger Schritt für die Video- und Audioproduktion der Zukunft ist es, den Kreativen ein umfangreiches, leicht bedienbares und qualitativ hochwertiges Online-Angebot zu bieten. Mehr noch als das Netzwerken wird bei Hobnox die künstlerische Qualität im Vordergrund stehen. Das Material kommt dabei einerseits von der Redaktion, andererseits von unseren Mitgliedern. Dabei möchten wir unsere Nutzer aber immer mehr zum autonomen Sender machen.«


VIDEO: The Weakerthans Live at Lido, Berlin 1 / 2 / 3 / 4
    Hobnox liefert – anders als andere Social Networks – nicht nur den Rahmen zur Präsentation von Persönlichkeit und Portfolio, sondern auch eine professionelle Produktionsumgebung sowie einen Marktplatz für den späteren (kommerziellen) Vertrieb eigener Inhalte. »Das Hobnox Evolution Festival stellt den Beginn des Spannungsbogens dar«, sagt Yousef Hammoudah. Neben gängigen Community-Modellen sollen dann die »Noxtools« für die User zugänglich sein. Schon in einem frühen Stadium ließen diese Großes erahnen: ein Produktionsdeck mit Roland-Emulatoren und allerlei anderen Effektgeräten, einen Videoschnittplatz sowie Live-Videostreaming werden im Laufe dieses Jahres für die User verfügbar gemacht; alles wurde Flashbasierend programmiert und läuft selbstverständlich in Echtzeit. »Wir sind uns sicher, dass dies der richtige Weg ist, Content-Produzenten anzusprechen. Bisher war man immer auf professionelle Audio- und Videosoftware angewiesen. Unsere ›Noxtools‹ werden diese sicherlich nicht ersetzen, aber das Segment beleben.«

    Tatsächlich eröffnet dies Künstlern neue Vermarktungsformen. Man denke beispielsweise an Radiohead, die in der Neujahrsnacht ihren Konzertfilm »Scotch Mist« im Internet übertrugen. Diese Modelle wären für ›Privatanwender‹ so vielfältig wie spannend: Ein eigenes Live-Konzert aus dem Proberaum? Die Produktion und schnelle Distribution von Musikvideos oder Dokumentationen? Gemeinsame Aufnahmesessions via Internet in Toronto und Karlsruhe?

    Ja, warum denn eigentlich nicht?!


Hobnox Evolution Festival

28.02. Berlin – Tresor
mit Puppetmastaz, Pantha Du Prince, Tobias Thomas, Missill, Calvin Harris, Notic Nastic, Sick Girls, Boombaker, Miki

Für die Private Beta-Phase kann man sich derzeit auf Hobnox.com registrieren.

Foto: Gualtiero, Flickr | CC

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